154  19.  Bergarbeiterstreik.

—  Würden  Sie  nicht  die  Güte  haben,  Ihre  Bemerkungen  vorzubringen,
nachdem  ich  geendigt  habe?  —  Aber  auf  der  anderen  Seite  liegen  die
Verhältnisse  bei  uns  in  Deutschland  besonders  schwierig.  Die  Arbeiterorganisationen
  sind  in  Deutschland  nicht  aus  wirtschaftlichen  Bedürfnissen
  natürlich  entstanden
(Zurufe  von  den  Sozialdemokraten),

—  lassen  Sie  mich  doch  meinen  Gedanken  ausführen  —,  sondern  sie
sind,  von  dieser  oder  jener  Ausnahme  abgesehen,  im  wesentlichen
Werkzenge  der  politischen  Parteien.

(Sehr  richtig!  rechts.  —  Zurufe  von  den  Sozialdemokraten.)
Wenn  Sie  das  bestreiten,  so  weise  ich  Sie  hin  auf  den  Ursprung  beispielsweise
  der  Hirsch-Dunckerschen  Gewerkschaften,  bei  deren  Begründung
  doch  gewiß  mitbestimmend  das  Motiv  war,  die  Arbeiter  gegenüber
  der  Agitation,  der  genialen  Agitation  von  Ferdinand  Lassalle  bei
der  Fortschrittsfahne  zu  halten.  Selbst  bei  den  christlichen  Arbeitervereinen
  spielen  Parteiinteressen  hinein.  Und  nun  vollends  die  sozialistischen
  Gewerkschaften,  die  von  Anfang  an  ja  gar  nichts  anderes  sein
sollten  als  Exerzierplätze,  als  Manöverfelder  für  eine  Partei  des  Umsturzes,
  als  eine  Schule  für  die  Erziehung  der  Arbeiter  zu  jenem  Kommunismus,
  der  das  Ende  unserer  Kultur  und  der  Tod  der  individuellen
Freiheit  sein  würde.  «

(Sehrwahr!)

Was  die  englischen  Gewerkschaften  Großes  geleistet  haben,  das
haben  sie  geleistet  auf  rein  wirtschaftlichem  Boden  ohne  jedes  Ansehen
der  Partei.  Was  bei  uns  not  tut  —  das  betone  ich  auch  gegenüber  dem
Herrn  Vorredner,  obwohl  er  sich  bemüht  hat,  in  seinen  Ausführungen
den  Sozialdemokraten  zurücktreten  zu  lassen  hinter  den  Bergarbeiter,
der  Sozialdemokrat  schimmert  aber  doch  noch  durch  —,  was  bei  uns
not  tut,  ist  die  Emanzipation  der  in  Berufsvereinen  aller  Art
organisierten  Arbeiter  von  der  Parteipolitik

(sehr  richtig!)
und  namentlich  von  der  Politik  einer  Partei,  deren  geistiges  Oberhaupt
schon  vor  Jahren  und  Jahrzehnten  die  Führer  der  englischen  Gewerk—
schaften,  weil  sie  die  Lage  der  Arbeiter  auf  friedlichem  Wege,  womög—
lich  ohne  Streik,  verbessern  wollten,  für  Verräter  erklärte,  einer  Partei,
die  jeden  wirtschaftlichen  Fortschritt  unter  der  gegenwärtigen  Staatsund
  Gesellschaftsordnung  für  ausgeschlossen  erklärt,  einer  Partei,  die
auch  in  dem  Elend  eines  mißglückten  Streifs,  in  einem  nationalen  Not-