156  19.  Bergarbeiterstreik.  —  20.  Handelsverträge.

sondern  im  Interesse  des  Kapitals,  und  deshalb  haben  die  Bergarbeiter
  von  den  Bemühungen  des  Kommissars  des  Herrn  Möller
nichts  zu  erwarten.
(Sehr  richtig!  bei  den  Sozialdemokraten.)
So  erleichtern  Sie  uns  die  Verständigung  im  Ruhrgebiet
(sehr  wahr!  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen),

von  welcher  der  Herr  Vorredner  behauptet  hat,  daß  sie  ihm  und  seinen
Freunden  am  Herzen  läge.
(Sehr  gut!  rechts.)

Wenn  Sie  —  wie  dies  der  Herr  Vorredner  ausgeführt  hat  —  den
Streik  wirklich  nicht  provoziert  haben,  wenn  der  Streik  —  und  das
bestätigt  mir  der  Abgeordnete  Hus  durch  sein  Kopfnicken  —  sogar  gegen
Ihren  Willen  und  Wunsch  ausgebrochen  ist,  wo  bleibt  da  die  Hoffnung
des  Herrn  Abgeordneten  Bebel,  daß  in  seiner  Zukunftsgesellschaft  die
Produktion  sich  „spielend“  regele

(Zurufe  bei  den  Sozialdemokraten),
daß  es  spielend  möglich  sein  würde

(andauernde  Unruhe  bei  den  Sozialdemokraten  —  Glocke  des
Präsidenten),

die  unzufriedenen  Elemente  im  Zaum  zu  halten?
(Zuruf  bei  den  Sozialdemokraten.)

Der  Abgeordnete  Hus  hat  den  Ausbruch  des  Streiks  zurückgeführt
auf  die  Machiavellistische  Taktik  der  Arbeitgeber,  auf  aufreizende  Artikel
der  bürgerlichen  Blätter.  So  einfach  liegt  die  Sache  nicht.  Wie  alle
Revolutionäre,  wie  schon  vor  hundert  Jahren  die  Jakobiner,  können
Sie  wohl  die  Leidenschaften  entfesseln,  sie  zügeln  können  Sie  nicht

(sehr  gut!  rechts),
und  die  Partei,  die  jetzt  am  lautesten  klagt  über  das  Regiment  der
Arbeitgeber,  sie  wird  mit  ihren  seit  Jahrzehnten  betriebenen  utopistischen
Hetzereien  die  Hauptschuldige  sein,  wenn  gegen  meine  Hoffnung  und  gegen
das  Verhoffen  der  großen  Mehrheit  dieses  hohen  Hauses  der  Streik  sich
weiter  ausdehnt  und  über  fanatisierte  und  verführte  Arbeiter  und  ihre
armen  Familien  Elend  und  Not  bringt.

Der  Herr  Vorrredner  hat  an  einem  Punkte  seiner  Ausführungen
gesagt,  daß  aus  der  Unbesonnenheit  oft  Gutes  hervorgehe.  Ich  bin  im
Gegenteile  der  Meinung,  daß  gerade  auf  sozialem  Gebiete  nur  durch
Besonnenheit  wahre  und  dauernde  Fortschritte  erzielt  werden  können.