176  20.  Die  Handelsverträge.

rungen  eine  feste  Basis  unter  die  Füße  gegeben  für  die  Handelsvertragsverhandlungen
  mit  den  anderen  Staaten.  Wie  ein  Zolltarif,  so  ist
auch  jeder  Handelsvertrag  ein  Ausgleich,  in  diesem  Falle  zwischen  den
divergierenden  Interessen  der  verschiedenen  Staaten.  Ein  Staat  muß
dem  anderen  Konzessionen  machen;  aber  diese  Konzessionen  werden
gemacht  in  dem  Sinne,  daß  schließlich  jeder  mit  dem  Vertrage  seinen
Interessen  besser  zu  dienen  glaubt,  als  wenn  es  überhaupt  nicht  zu
einem  Vertrage  käme.

Meine  Herren,  die  neuen  Verträge  bilden  ein  einheitliches  Ganze,
sie  sind  aus  einem  Guß,  sie  sind  entsprossen  aus  einer  Wurzel,  dem
von  der  Mehrheit  dieses  Hohen  Hauses  angenommenen  neuen  Zolltarif.
Die  Verträge  können  nur  im  ganzen  angenommen  oder  im  ganzen  verworfen
  werden.  Von  den  neuen  Verträgen  wird  keiner  der  Erwerbsstände
  im  Deutschen  Reiche  ganz  befriedigt  sein.  Das  liegt  im  Wesen
des  Vertrages,  daß  nicht  alle  Wünsche  erfüllt  werden  können.  Die
verschiedenen  Erwerbsgruppen  sollen  aber  in  den  Verträgen  nicht  nur
dasjenige  sehen,  was  sie  ihnen  nicht  bringen,  sondern  auch  das  Gute
anerkennen,  das  sie  für  sie  enthalten,  und  dann  Vorteile  und  Nachteile
gegeneinander  abwägen.  Eine  solche  gerechte  Beurteilung  wird  nach
der  festen  Uberzeugung  der  verbündeten  Regierungen  zu  der  Anerkennung
führen  müssen,  daß  die  neuen  Verträge  auf  einer  für  uns  annehmbaren
Grundlage  abgeschlossen  sind,  auf  der  Grundlage  der  Wahrung  unserer
berechtigten  Interessen  und  voller  Gegenseitigkeit.

Die  nenen  Verträge  bringen  unserer  Landwirtschaft  den  Schutz,
dessen  sie  unbedingt  bedarf,  ohne  die  Interessen  der  Gesamtheit  in  unbilliger
  Weise  zu  schädigen.  Sie  schaffen  für  unsere  Industrie  und  für
unseren  Handel  die  Bedingungen,  unter  denen  sie  gedeihen  und  sich  entwickeln
  können.  Sie  nehmen  von  unserem  gesamten  wirtschaftlichen  Leben
den  Druck  der  Ungewißheit  und  Unsicherheit,  der  seit  Jahren  auf  ihm
lastet,  und  den  wir  auf  die  Dauer  nicht  ertragen  können.  Sie  eröffnen
dem  Reiche  neue  Einnahmequellen,  deren  wir  bei  unserer  sehr  ungünstigen
finanziellen  Lage  dringend  bedürfen.  Der  Bundesrat  —  ich  hebe  das
mit  Genugtuung  und  Dankbarkeit  hervor  —  hat  gestern  die  neuen
Vereinbarungen  einstimmig  angenommen.  Die  Verbündeten  Regierungen
sind  überzeugt,  daß  auch  Sie,  meine  Herren,  den  neuen  Verträgen  Ihre
Zustimmung  erteilen  werden  im  Interesse  der  inneren  und  äußeren  Wohlfahrt
  des  Deutschen  Reiches,  zum  Wohl  unserer  gesamten  nationalen  Arbeit.

(Lebhafter  Beifall.)