178  21.  Kanalvorlage.

Königlichen  Staatsregierung.  Aber  man  kann  diese  Frage  behandeln,
ohne  eine  Parteiangelegenheit  daraus  zu  machen,  man  kann  nach  einer
Verständigung  suchen,  ohne  politischen  Uberzeugungen  und  Grundsätzen
das  mindeste  zu  vergeben.  Ich  rechne  es  der  Königlichen  Staatsregierung
und  ich  rechne  es  mir  selbst  zum  Verdienst  an,  daß  ich  diese  wirtschaftlichen
  Gesichtspunkte  der  Vorlage  wieder  in  den  Vordergrund  geschoben
habe.  Ich  habe  mich  auch  nicht  davor  gefürchtet,  mich  in  anscheinenden
Widerspruch  mit  früheren  Erklärungen  zu  versetzen,  und  wenn  man  mir
deshalb  hier  und  da  zu  grollen  schien,  so  getröstete  ich  mich  des  alten
Spruchs:  viimet  oh  JA0  .i  ,  3%  KI%  llrgo  Ke,  zu  deutsch:  die
Hälfte  ist  mehr  als  das  Ganze.  Gewiß,  meine  Herren,  nur  ungern,
nur  höchst  ungern  hat  die  Königliche  Staatsregierung  sich  entschlossen,  ein
Stück,  ein  großes  Stück  des  ursprünglichen  nach  Lage  der  Verhältnisse
als  zu  weitreichend  erkannten  Planes  zu  opfern,  um  den  übrigen  Teil
des  Programms  zu  verwirklichen.  Aber  die  Königliche  Staatsregierung
glaubte  den  Verhältnissen  wie  der  Auffassung  der  preußischen  Volksvertretung
  Rechnung  tragen  zu  sollen.  Aus  dieser  Erwägung  und  in  der
Uberzeugung,  daß  es  ihre  Pflicht  sei,  zunächst  da  helfend  einzugreifen,
wo  die  größten  Schäden  hervorgetreten  sind,  hat  sich  die  Königliche
Staatsregierung  auch  bereit  finden  lassen,  das  gesamte  wasserwirtschaftliche
  Programm  in  eine  Reihe  einzelner  Vorlagen  zu  zerlegen  und  damit
die  Verquickung  von  Arbeiten  und  Projekten,  die  nach  Inhalt,  Anlaß,
Art  und  Tempo  schwer  zusammenpaßten,  zu  beseitigen.  Auf  der  anderen
Seite  kann  ich  mit  Genugtunng  konstatieren,  daß  die  schweren  Kämpfe
früherer  Jahre  mit  ihrer  Verbitterung  diesmal  dem  Hause  der  Abgeordneten
  ganz  fern  gehalten  worden  sind,  daß  man  sich  sehr  sachlich  und
sehr  versöhnlich  auseinandergesetzt  hat  und  auf  diese  Weise  zu  der
dringend  wünschenswerten  Verständigung  gelangt  ist.  Alle  die  Gründe,
meine  Herren,  die  sachlichen  Gründe,  welche  für  die  Nützlichkeit  und
Notwendigkeit  der  Vorlagen  sprechen,  will  ich  hier  meinerseits  nicht
nochmals  wiederholen.  Auf  sie  einzugehen,  darf  ich  den  Herren  Ressortministern
  überlassen.  Aber  das  will  ich  sagen:  die  Meliorationsvorlagen
kommen  wesentlich  dem  Osten  der  Monarchie  zugute;  auch  die  Wasserstraßenentwürfe
  dienen  bis  auf  einen  den  Interessen  der  Landesteile  rechts
der  Elbe.  Wenn  wir  den  Bedürfnissen  des  Ostens  in  weitgehendem
Maße  mit  erheblichen  Kosten  entgegenkommen,  so  würde  es  eine  unverdiente
  Zurücksetzung  des  Westens  sein,  wenn  wir  über  seine  Wünsche
zur  Tagesordnung  übergingen.  Dem  Frieden  unter  den  verschiedenen
Landesteilen,  dem  Geiste  der  Eintracht  und  Zusammengehörigkeit  würde