180  21.  Kanalvorlage.  —  22.  Elsaß-Lothringen.

Westfalen  mit  Entschiedenheit  für  einen  verstärkten  Zollschutz  der  Landwirtschaft
  eingetreten  sind,  so  gebieten  in  Preußen  das  Solidaritätsgefühl
  und  die  politische  Klugheit,  daß  die  Landwirtschaft  die  Industrie
in  der  für  diese  so  hochwichtigen  Frage  nicht  im  Stiche  läßt,  daß  die
Wünsche,  die  von  so  wertvollen  Zentren  der  nationalen  Industrie  seit
lange  und  mit  steigendem  Nachdrucke  geäußert  werden,  berücksichtigt
werden.

Und  nun,  meine  Herren,  lassen  Sie  mich  nur  noch  eins  sagen.  Es
ist  keine  ganz  leichte  Aufgabe  gewesen,  die  Kanalfrage  als  wirtschaftliche
Angelegenheit  zu  isolieren.  Die  verschiedenen  Stadien  der  langjährigen
Kämpfe  haben  uns  wiederholt  über  die  Linie  hinansgeführt,  wo  sich  die
wirtschaftliche  Diskussion  vom  politischen  Streite  trennt.  Es  war  aus
dieser  Zeit  an  mehr  als  einer  Stelle  viel  offene  und  stille  Verbitterung,
zurückgeblieben,  die  endlich  beseitigt  werden  muß.  Die  Königliche
Staatsregierung  und  zu  meiner  großen  Freude  auch  das  Haus  der
Abgeordneten  haben  das  Ihrige  getan.  An  Ihnen,  meine  Herren,  ist
es  nun,  die  Schritte  zurückzulegen,  die  uns  noch  vom  Ziele  trennen.
Lassen  Sie  uns  hoffen,  daß  der  alte  Zwist  jetzt  endgültig  zu  Grabe
getragen  wird.  Treten  Sie  den  Beschlüssen  des  Hauses  der  Abgeordneten
bei,  und  Sie  werden  sich  wohlverdient  machen  um  alle  Zweige  der
vaterländischen  Arbeit,  um  alle  Teile  des  Landes,  um  die  wirtschaftliche
und  um  die  politische  Zukunft  der  Preußischen  Monarchie.

(Lebhaftes  Bravo.)

22.  Staatsrechtliche  Stellung  Elsaß-Lothringens.  —  Abg.  von  Vollmar.
Abg.  Graf  von  Reventlow.

Sitzung  des  Reichstags  vom  15.  März  1905.1)

Auf  der  Tagesordnung  stand  zunächst  eine  Resolution,  begründet  vom  Abgeordneten
  Dr.  Spahn,  betr.  die  staatsrechtliche  Stellung  Elsaß-Lothringens,  speziell
  die  Vertretung  des  Reichslandes  im  Bundesrate.  Auf  die  Spahnschen  Ausführungen
  erwiderte

Reichskanzler  Graf  von  Bülow:

In  Erwiderung  auf  die  Ausführungen  des  Herrn  Vorredners  habe
ich  das  Nachstehende  zu  erklären:

1)  Sten.  Ber.  d.  R.-T.,  11.  Leg.-Per.,  I.  Session  1903/1905,  164.  Sitzung.