182  22.  Abgeordneter  von  Vollmar.

Politik  des  Fürsten  Bismarck  Mängel  und  Fehler  vorzuwerfen.  Ich
glaube,  die  große  Mehrheit  dieses  Hohen  Hauses  wird  wohl  der  Ansicht
sein,  daß  einer  der  größten  Meister  gerade  auf  dem  Gebiet  der  auswärtigen
  Politik  über  solcher  Kritik  steht,  wie  sie  der  Herr  Abgeordnete
von  Vollmar  soeben  an  dem  ersten  deutschen  Reichskanzler  geübt  hat.

(Na!  nal  bei  den  Sozialdemokraten.)

Wer  über  auswärtige  Politik  mitreden  will,  muß  sich  von  persönlichen
Sympathien  und  Antipathien  freimachen  und  darf  die  auswärtigen
Dinge  nicht  so  sehr  durch  die  Brille  der  Parteidoktrin  ansehen,  wie  das
eben  der  Herr  Abgeordnete  von  Vollmar  getan  hat,  muß  seinem  Tun
und  Denken  lediglich  das  Interesse  des  eigenen  Landes  zugrunde  legen.
Das  hat  Fürst  Bismarck  getan  und  damit  hat  er  sich  eine  Stellung  in
der  deutschen  Geschichte  geschaffen,  gegen  die  der  Herr  Abgeordnete
von  Vollmar  vergeblich  Sturm  länft.

(Lebhafte  Zustimmung.)

Nun  hat  der  Herr  Abgeordnete  von  Vollmar  weiter  davon  gesprochen,
  daß  das  russische  Prestige  in  hohem  Grade  erschüttert  wäre.
Er  hat  aber  selbst  mit  einer  gewissen  Bekümmernis  zugeben  müssen,
daß  die  französische  Republik  die  Allianz  mit  Rußland  noch  immer  in
der  sorgsamsten  Weise  pflegt.  Der  Herr  Abgeordnete  von  Vollmar,  der
die  auswärtigen  Dinge  mit  Aufmerksamkeit  verfolgt,  wird  doch  auch
nicht  im  Zweifel  darüber  sein,  daß  englische  Liberale  lebhaft  gute  Beziehungen
  zwischen  England  und  Rußland  wünschen.  Die  einsichtigen
Leute  sind  in  allen  Ländern  mehr  oder  weniger  der  Ansicht,  daß  die
Großmachtstellung  Rußlands  wohl  auch  die  Wechselfälle  eines  Krieges
und  die  gegenwärtigen  inneren  Unruhen  überdauern  wird.

(Nal  nal  bei  den  Sozialdemokraten.)
—  Abwarten!
(Große  Heiterkeit.)

Nun  hat  der  Herr  Abgeordnete  von  Vollmar  auch  gemeint,  ich
würde  heute  nicht  die  Behauptung  wiederholen,  die  Sozialdemokratie
treibe  zum  Kriege  mit  Rußland.  Ich  bedaure  sagen  zu  müssen,
daß  ich  heute  mehr  als  je  der  Ansicht  bin,  daß  die  Sozialdemokratie
einen  solchen  Konflikt  gerne  entfachen  würde,  um  an  diesem  Brande
ihre  Parteisuppe  zu  kochen.

(Sehr  gut!  rechts.  Zurufe  von  den  Sozialdemokraten.)