184  22.  Abgeordneter  von  Vollmar.

unberechtigten  Angriffen  die  Lehre  entnehme,  daß  es  gefährlich,  daß  es
bedenklich  wäre,  über  auswärtige  Fragen  zu  sprechen,  die  man  nicht
genau  kenne.  Ich  will  nicht  erörtern,  ob  das  heute  noch  zutrifft,  und
auf  wen  es  heute  noch  zutrifft.

(Heiterkeit.)

Meine  Herren,  der  Herr  Abgeordnete  von  Vollmar  hat  nun  weiter
die  deutschen  Schiffsverkäufe  an  die  Kriegführenden  zur
Sprache  gebracht.  Während  des  ganzen  bisherigen  Verlaufs  des  ostasiatischen
  Krieges  haben  beide  kriegführenden  Parteien  zahlreiche  Handelsschiffe
  aus  neutralem  Privatbesitz  meist  durch  Mittelspersonen  käuflich
erworben.  In  englischen  Zeitungen  finden  Sie  ausführliche  Statistiken
darüber,  in  wie  zahlreichen  Fällen  solche  Schiffe  aus  englischem  Privatbesitz
  in  den  Besitz  der  japanischen  Regierung  übergegangen  sind.
Andererseits  ist  bekannt  geworden,  daß  auch  mehrfach  deutsche  Schiffe
von  den  Kriegführenden  —  und  zwar  anscheinend  in  höherem  Maße
von  den  Russen  als  von  den  Japanern  —  erworben  worden  sind.
Insbesondere  sind  neuerdings  nach  einer  hierher  gelangten  amtlichen
Mitteilung  des  Hamburger  Senats  eine  Anzahl  von  Schiffen  der
Hamburg-Amerika-Linie  durch  Kauf  in  den  Besitz  einer  russischen  Privatfirma
  gelangt.  Derartige  Transaktionen  sind  nach  feststehendem
Völkerrecht  neutralen  Privatpersonen  nicht  verwehrt.  Es  versteht
  sich  von  selbst,  daß  die  von  der  russischen  Firma  gekauften  Schiffe
fortan  nicht  mehr  die  deutsche  Flagge  führen  dürfen,  und  daß  die  bisherige
  Bemannung  nicht  genötigt  ist,  unter  russischer  Flagge  weiter  zu
dienen.

Sie  sehen  also,  meine  Herren,  daß  auch  in  der  Frage  der  Schiffskäufe
  unser  Verhalten  der  korrekten  Stellung  entspricht,  die  wir  überhaupt
  gegenüber  dem  ostasiatischen  Kriege  einnehmen.

Diese  unanfechtbare  Haltung  hat  es  freilich  nicht  verhindert,  daß
uns  Vorwürfe  gemacht  werden.  Von  der  einen  Seite  heißt  es,  daß
wir  zu  Rußland  neigten,  und  diese  Tonart  hat  eben  der  Abgeordnete
von  Vollmar  wieder  vertreten.  Andererseits  habe  ich  erst  in  den  letzten
Tagen  gelesen,  wir  wünschten  die  Schwächung  von  Rußland  und  deshalb
  die  längere  Fortdauer  des  Krieges.  Das  eine  ist  so  unbegründet
wie  das  andere.  Und  die  beiden  Regierungen,  auf  die  es  ankommt,
wissen  genau,  woran  sie  mit  uns  sind.  Insbesondere  weiß  die
japanische  Regierung,  daß  sie  ebenso  wie  die  russische  auf
unsere  strikte  und  loyale  Neutralität  zählen  kann.  Ich  nehme
keinen  Anstand,  hier  eine  Depesche  vorzulesen,  die  vor  mir  liegt,  die  ich