186  22.  Abgeordneter  Graf  von  Reventlow.  —  23.  Polenfrage.

Auch  die  Frage  des  Automobilrennens  von  Homburg  lasse  ich  beiseite.
Dagegen  möchte  ich  den  Herrn  Vorredner  darauf  aufmerksam  machen,
daß  die  öfters  von  mir  ausgesprochene  Mahnung,  sich  nicht  in  die  inneren
Verhältnisse  anderer  Länder  einzumischen,  nicht  nur  für  die  äußerste
Linke  gilt  —  fie  gilt  auch  für  den  Herrn  Grafen  von  Reventlow

(ehr  guth,

und  sie  gilt  für  unsere  Studenten.  Wir  würden  es  uns  ernstlich  verbitten,
  wenn  fremde  Studenten  sich  in  unsere  Verhältnisse  einmischen
würden,  wenn  sie  über  deutsche  innere  Vorgänge,  deutsche  innere  Streitigkeiten
  Resolutionen  fassen  wollten.  Daß  jeder  Herr  im  eigenen  Hause
ist,  und  daß  jeder  am  besten  tut,  vor  der  eigenen  Tür  zu  kehren  —
das  ist  die  Grundlage  verständiger  internationaler  Beziehungen.

Unter  dieselbe  Rubrik  fällt  auch  das,  was  der  Herr  Vorredner
gesagt  hat  über  die  chinesischen  Offiziere  in  deutschem  Dienst.  Wir
haben  gern  deutsche  Instrukteure  nach  China  geschickt,  und  wir  freuen
uns,  daß  chinesische  Offiziere  im  deutschen  Heere  den  deutschen  Dienstbetrieb
  erlernen.

Ebenso  einseitig  war,  was  der  Herr  Vorredner  geäußert  hat  über
die  Verbindung  eines  jüngeren  deutschen  Diplomaten  mit  der  Tochter
eines  hervorragenden  japanischen  Staatsmannes,  eines  Staatsmannes,
der  längere  Zeit  Japan  in  Berlin  vertreten  und  hier  die  besten  Erinnerungen
  zurückgelassen  hat.  Ich  habe  den  Konsens  für  diese  Verbindung
  gern  erwirkt.

Der  Herr  Staatssekretär  des  Außern  behält  sich  vor,  bei  der  Beratung
  seines  Etats  auf  die  einzelnen  Beschwerdepunkte  einzugehen,  welche
der  Herr  Graf  von  Reventlow  hier  auf  dem  Gebiete  der  auswärtigen
Politik  zur  Sprache  gebracht  hat.  Ich  möchte  mir  meinerseits  nur  über
einen  Punkt,  den  er  berührt  hat,  eine  kurze  Bemerkung  gestatten.  Der
Herr  Graf  von  Reventlow  hat  die  Frage  berührt,  ob  und  wie  etwa
neue  Vereinbarungen  zwischen  dritten  Staaten  unser  Verhältnis  zu
Marokko  beeinflußt  haben.  Er  scheint  unsere  Politik  in  diesem  Punkte
zu  untätig  zu  finden  und  zu  glauben,  daß  wir  uns  hier  Versäumnisse
hätten  zuschulden  kommen  lassen.  Ich  verstehe  vollständig  die
Aufmerksamkeit,  die  man  auch  hier  den  Vorgängen  in  und
um  Marokko  widmet.  Ich  erachte  es  für  eine  Pflicht  der
dentschen  Regierung,  dafür  zu  sorgen,  daß  auch  in  Zukunft
unsere  wirtschaftlichen  Interessen  in  Marokko  nicht  geschädigt
werden.  Der  gegen  wärtige  Augenblick  ist  aber  für  weitere