März  1905.  187

Erklärungen  nicht  geeignet.  Ich  behalte  mir  solche  für
später  vor.
(Bravol)

23.  Die  Abgeordneten  Dr.  Spahn,  von  Chrzauowski  und  Bebel.
Sitzung  des  Reichstages  vom  16.  März  1905.1)

Der  Titel  „Reichskanzler  und  Reichskanzlei“  stand  bei  der  weiteren  Beratung
des  Reichshaushaltsetats  für  das  Rechnungsjahr  1905  auch  an  diesem  Tage  noch
anf  der  Tagesordnung;  der  Reichskanzler  nahm  an  der  Beratung  teil.  Er  kam
in  seiner  Rede  zuerst  zurück  auf  eine  Replik  des  Abgeordneten  Dr.  Spahn  gegen
seine  (des  Reichskanzlers)  erste  Rede  vom  Tage  zuvor  (s.  o.),  sodann  auf  Ausführungen
  des  Abgeordneten  von  Chrzanowski  (Pole)  vom  Tage  zuvor  und
endlich  auf  die  Rede  des  Abgeordneten  Bebel,  mit  der  dieser  an  diesem  Tage
den  Redereigen  eröffnet  hatte.

Reichskanzler  Graf  von  Bülow:

Meine  Herren,  ich  möchte  zunächst  mit  einer  kurzen  Bemerkung
auf  eine  Außerung  zurückkommen,  die  gestern  der  Herr  Abgeordnete
Spahn  gemacht  hat  gegenüber  meinen  Ausführungen  über  eine  eventuelle
  Vertretung  von  Elsaß-Lothringen  im  Bundesrat.  Er
hat  gemeint,  meine  Antwort  auf  die  erste  Resolution  hätte  mehr  meiner
Stellung  als  prenßischer  Ministerpräsident  wie  meiner  Stellung  als
deutscher  Reichskanzler  entsprochen.  Die  Sache  liegt  gerade  umgekehrt.
Als  preußischer  Ministerpräsident  könnte  mir  eine  Verstärkung  des
preußischen  Einflusses  im  Bundesrat  unter  Umständen  nicht  gerade  unangenehm
  sein;  als  deutscher  Reichskanzler  habe  ich  aber  darüber  zu
wachen,  daß  das  durch  die  Reichsverfassung  festgelegte  Stimmen=  und
Stärkenverhältnis  im  Bundesrat,  das  Gleichgewicht  im  Bundesrat  nicht
verschoben  wird.  In  Erfüllung  dieser  meiner  Pflicht  als  Reichskanzler
habe  ich  hingewiesen  auf  die  Bedenken  und  die  Schwierigkeiten,  welche
der  Erfüllung  des  in  der  ersten  Resolution  gestellten  Antrages  im  Wege
stehen.  Das  Pflichtbeewußtsein  des  Reichskanzlers  hat  über  etwaige  Machtgelüste
  des  preußischen  Ministerpräsidenten  den  Sieg  davongetragen.

(Heiterkeit.)

Meine  Herren,  an  den  gestrigen  Ausführungen  des  Herrn  Abgeordneten

  von  Chrzanowski  hat  mich  vor  allem  interessiert  und  ge-1)

  Sten.  Ber.  d.  R.-T.,  11.  Leg.-Per.,  I.  Session  1903.1905,  165.  Sitzung.