190  23.  Ostmarkenpolitik.  —  Auslieferungsverträge.

Stelle,  im  preußischen  Abgeordnetenhause,  an  der  Haud  eines  reichhaltigen.
Materials  nachgewiesen,  wie  sehr  das  Deutschtum  im  Osten  in  die  Verteidigungsstellung
  geschoben  und  gedrängt  worden  ist.  Wir  denken  nicht
daran,  die  Polen  vertreiben  zu  wollen,  wir  wollen  aber  dafür  sorgen,
daß  wir  nicht  von  den  Polen  vertrieben  werden

(Zuruf  von  den  Polen)

—  jawohl,  unter  Benutzung  unserer  verfassungsrechtlichen  Institutionen,
unter  Benutzung  auch  der  deutschen  Geduld  und  Laugmut,  einer  gewissen
  nationalen  Indifferenz,  die  lange  im  Osten  die  Verhältnisse  gekennzeichnet

  hat.
(Sehr  richtig!)

Wenn  der  Herr  Abgeordnete  Graf  Mielzynski  gestern  gemeint  hat,
daß  das  Ansiedlungsgesetz  im  Widerspruch  stünde  mit  der  Reichsverfassung,
  so  hat  mein  verehrter  Herr  Nachbar  schon  nachgewiesen,  daß
das  nicht  der  Fall  ist.  Ich  möchte  dem  Grafen  Mielzynski  aber  meinerseits
  bedeuten,  daß  die  großpolnischen  Agitationen  direkt  gegen  den  ersten
Artikel  der  preußischen  Verfassung  gerichtet  sind,  welcher  von  der  Integrität
  der  preußischen  Monarchie  handelt.

(Lachen  bei  den  Polen  und  Zurufe.)

Solche  Reden,  wie  sie  gestern  Mitglieder  der  polnischen  Fraktion  gehalten
haben,  werden  uns  nur  in  dem  Entschluß  bestärken,  die  ganze  Kraft
des  preußischen  Staates  einzusetzen,  damit  im  Osten  der  Deutsche  existenzfähig
  erhalten  wird,  damit  die  östlichen  Provinzen  der  preußischen  Monarchie
auch  weiter  und  für  alle  Zukunft  in  unauflöslichem  Verbande  bleiben
mit  der  preußischen  Monarchie  und  dem  Deutschen  Reich.

(Bravol  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen.)

Meine  Herren,  ich  komme  jetzt  zu  den  Ausführungen  des  Herrn
Abgeordneten  Bebel.  Als  ich  den  Saal  betrat,  machte  mir  der  Herr
Abgeordnete  Bebel  Vorhaltungen  über  den  Ton,  in  dem  ich  gestern
gegenüber  Herrn  von  Vollmar  gesprochen  hätte.  Ach  du  lieber  Himmel!
Seien  Sie  doch  selbst  erst  freundlicher  mit  Herrn  von  Vollmar.

(Schallende  Heiterkeit.)
Ziehen  Sie  selbst  erst  nettere  Saiten  auf  gegenüber  den  Herren  Revisionisten,
  ehe  Sie  mir  so  ungerechte  Vorhaltungen  machen.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  weiter  einen  Brief  des  Fürsten
Bismarck  vorgelesen,  worin  Fürst  Bismarck  sich  mit  der  Diplomatie