März  1905.  191

beschäftigt.  Dieser  Brief  war  mir  wohl  bekannt.  Er  gehört  zu  den
vielen  schönen  Briefen,  die  der  Fürst  Bismarck  geschrieben  hat,  und
die  beweisen,  daß  er,  wenn  er  nicht  einer  der  größten  Staatsmänner
  wäre,  die  je  gelebt  haben,  doch  einer  der  größten
deutschen  Schriftsteller  sein  würde.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Manches  von  dem,  was  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  aus  diesem  Brief
des  Fürsten  Bismarck  über  die  Diplomatie  verlesen  hat  —  mein  Gott,
ich  bin  seit  30  Jahren  Diplomat,  aber  ich  bin  objektiv  genng,  um  zu
sagen,  daß  vieles  darin  ganz  richtig  ist.

(Sehr  gut!  und  große  Heiterkeit.)

Aber  der  Fürst  Bismarck  hat  auch  sehr  vieles  sehr  Richtige  und  Treffende
über  die  Tendenzen  und  über  den  Charakter  der  Sozialdemokratie  und
ihrer  Führer  gesagt  und  geschrieben,  und  es  würde  mich  außerordentlich
freuen,  wenn  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  gelegentlich  solche  Außerungen
des  Fürsten  Bismarck  hier  vorlesen  würde.
(Sehr  gut!  und  Heiterkeit  rechts  und  bei  den
Nationalliberalen.)

Meine  Herren,  nun  ist  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  weiter  eingegangen
auf  die  Auslieferungsverträge.  Ja,  meine  Herren,  der  Herr  Staatssekretär
  des  Außern  hat  gestern  schon  nachgewiesen,  daß  seit  ungefähr  20  Jahren,
seitdem  diese  Verträge  bestehen,  kein  einziger  Fall  von  Auslieferung
auf  Grund  jener  Verträge  wegen  politischer  Vergehen  erfolgt  ist.
Gegenüber  dieser  einfachen  Tatsache  hat  doch,  wie  mir  scheint,  die  hochgradige
  Erregung  des  Herrn  Abgeordneten  Bebel,  die  ihm  sogar  einen
Ordnungsruf  eingetragen  hat,  etwas  Künstliches.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  auch  von  Kohlenlieferungen
und  Schiffsvermietungen  an  Rußland  gesprochen.  Ich  habe  mich
über  den  Sachverhalt  sogleich  informiert.  Nach  den  von  der  Hamburg-=Amerika-Linie
  abgegebenen  ausdrücklichen  Versicherungen  dürfen  die
deutschen  Transportschiffe  die  russische  Flotte  nicht  begleiten.  Sie  haben
nur  Kohlen  nach  bestimmten  nentralen  Hafenplätzen  zu  liefern  und
sich  nach  diesen  Hafenplätzen  nicht  zusammen  mit  den  russischen  Kriegsschiffen,
  sondern  getrennt  von  denselben  und  auf  anderen  Wegen  zu
begeben.  Davon,  daß  gegenüber  Mannschaften  der  deutschen  Transportschiffe
  unterwegs  und  insbesondere  vor  Madagaskar  ein  rechtswidriger