März  1905.  195

Und  die  ganze  zivilisierte  Welt,  soweit  sie  diesen  Namen  überhaupt

  verdient,  muß  sich  zum  Vernichtungskriege  gegen  sie
—  d.  h.  die  russische  Regierung  —

vereinigen.
Ich  weiß  nicht,  warum  der  Herr  Abgeordnete  Bebel,  dem  eine  gewisse
Aufrichtigkeit  nicht  abzusprechen  ist,  gerade  in  dieser  Beziehnng  aus
seinem  Herzen  eine  Mördergrube  macht.  Wir  wissen  ja  alle,  daß  die
Sozialdemokratie  nichts  Lebhafteres  wünscht,  als  die  bestehende  Ordnung
in  Rußland  zu  stürzen

(Sehr  richtig!"  bei  den  Sozialdemokraten),

und  daß  sie  dafür  alle  diejenigen  Mittel  anwendet,  die  in  ihrer  Macht
stehen.  Vorläufig  sind  Sie  noch  nicht  in  der  Lage,  über  unsere  Armee
und  über  unsere  Flotte  zu  disponieren.  Wären  Sie  dazu  in  der  Lage,
so  würden  Sie  wahrscheinlich,  wie  dies  die  „Schwäbische  Tagwacht“
verlangte,  die  Armee  gegen  Rußland  marschieren  lassen  und  gleichzeitig,
wie  dies  im  Sommer  ein  anderes  sozialdemokratisches  Blatt  von  mir
forderte,  die  deutsche  Flotte  nach  Kronstadt  schicken.

Demgegenüber  weise  ich  nochmals  darauf  hin,  daß  solche  Einmischungen
  in  die  Verhältnisse  fremder  Länder  und  daß  solche  Reden
über  die  Verhältnisse  fremder  Länder,  wie  sie  eben  der  Herr  Abgeordnete
  Bebel  gehalten  hat,  die  Beziehungen  zu  den  fremden  Ländern  stören

sehr  richtig!  rechts),
damit  unsere  auswärtige  Politik  erschweren,  unsere  Beziehungen  zum
Auslande  belasten.  Daß  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hier  nicht  die
Verantwortung  übernehmen  will  für  einen  leichtfertigen  Krieg  mit  Rußland,
  das  kann  ich  mir  wohl  denken.  Die  Regierung  eines  großen
Landes  hat  aber  nicht  nur  leichtsinnige  Kriege  zu  vermeiden,  sie  hat
auch  dafür  zu  sorgen,  daß  die  Beziehungen  zu  anderen  Regierungen  so
bleiben,  daß  wir  den  Eventualitäten  der  Zukunft  mit  möglichster  Ruhe

entgegensehen  können.
(Sehr  richtig!  rechts.)

Gegenüber  den  heftigen  und  bedauerlichen  Außerungen,  in  denen  sich  der
Herr  Abgeordnete  Bebel  eben  ergangen  hat  über  die  inneren  Verhältnisse
  von  Rußland,  richte  ich  an  ihn  die  Frage:  mit  welchem  Rechte
spielt  denn  die  Sozialdemokratie  in  dieser  Weise  den  Hofmeister
  des  Auslandes?  mit  welchem  Recht  mischen  Sie  sich  in  die
Verhältnisse  anderer  Länder,  in  Vorgänge,  die  der  Justizhoheit  eines
anderen  Landes  unterliegen?
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