März  1905.  199

Außerung  des  Fürsten  Bismarck  mitteilen.  Damals  brachte  ein  Berliner
  Blatt,  welches  der  linken  Seite  dieses  Hohen  Hauses  näher  steht
als  der  rechten,  einen  Artikel,  in  dem  es  etwa  ausführte:  „Wer  weiß,
wie  lange  diese  feindliche  Haltung  der  deutschen  Regierung  dauern  wird?
Jetzt  werden  die  russischen  Werte  vertrieben;  vielleicht  kommt  nächstens
wieder  eine  Zeit,  wo  die  russischen  Werte  an  der  Berliner  Börse  nicht
nur  zugelassen,  sondern  sogar  von  der  Regierung  empfohlen  werden.“
An  den  Rand  dieses  Artikels  schrieb  Fürst  Bismarck:  „Natürlich,  je
nach  Bedürfnis!“"

Nun  hat  sich  der  Herr  Abgeordnete  Bernstein  lebhaft  bemüht,  die
Stimmung  für  russische  Werte  möglichst  flau  zu  machen.  Ich  weiß
nicht,  wie  weit  seine  Außerungen  einen  Einfluß  haben  werden  auf  die
Börse.  Es  ist  vollkommen  richtig,  daß  der  Kurs  der  russischen  Papiere
sich  bis  jetzt  gehalten  hat;  das  erklärt  sich  aber  einfach  daraus,  daß  die
große  Mehrheit  der  Inhaber  russischer  Papiere  in  Deutschland  noch
immer  ein  größeres  Vertrauen  in  die  wirtschaftlichen  und  politischen
Verhältnisse  von  Rußland  und  in  die  Zukunft  des  russischen  Reiches
zu  haben  scheint  als  die  Herren  von  der  Sozialdemokratie;  daß  die
Inhaber  russischer  Werte  es  deshalb  vorziehen,  die  russischen  Werte,  die
sie  besitzen,  nicht  panikartig  zu  verschleudern,  sondern  daß  sie  sie  lieber
aufheben  für  bessere  Zeiten.

Nun,  meine  Herren,  muß  ich  mich  noch  mit  einigen  Worten
zu  dem  wenden,  was  der  Herr  Abgeordnete  Spahn  soeben  am  Schlusse
seiner  Ausführungen  über  die  Ostmarkenpolitik  der  preußischen  Staatsregierung
  bemerkt  hat.  Der  Herr  Abgeordnete  Spahn  hat  gemeint,
daß  in  dem  Kampfe,  der  in  den  östlichen  Provinzen  der  preußischen
Monarchie  ausgefochten  wird,  die  Offensive  ergriffen  worden  wäre  von

deutscher  Seite.
(Sehr  richtig!  bei  den  Polen.)

Dem  muß  ich  mit  großer  Entschiedenheit  entgegentreten.  Ich  bin  vielmehr
  der  Ansicht,  daß  dieser  Kampf  uns  aufgezwungen  worden  ist

(lebhafte  Zustimmung  rechts  und  bei  den
Nationalliberalen)

von  denjenigen,  die  das  Deutschtum  im  Osten  der  preußischen  Monarchie
bekämpfen,  und  die  trotz  aller  schönen  Redensarten  am  letzten  Ende  darrauf
  ausgehen,  die  gemischtsprachigen  Provinzen  zu  trennen  von  der
preußischen  Monarchie.

(Sehr  richtig!  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen.)