200  24.  Ostmarkenpolitik.  —  Polnischer  Aufstand  1848.

Und  wenn  der  Herr  Abgeordnete  Spahn  von  der  guten  Gesinnung  des
Gros  der  polnischen  Bevölkerung  gesprochen  hat,  so  erwidere  ich  darauf,
daß  unsere  Politik  sich  nicht  gegen  den  friedlichen  Teil  der
polnischen  Bevölkerung  richtet,  sondern  sie  richtet  sich  gegen
die  großpolnische  Agitation

(Unruhe  bei  den  Polen),

mit  der  eine  ihrer  Pflichten  sich  bewußte  preußische  Regierung  nicht  in
Frieden  leben  kann!
(Lebhaftes  Bravo  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen.)

Nun  hat  der  Herr  Abgeordnete  Spahn  weiter  gemeint,  daß  unsere
Ostmarkenpolitik  nicht  nur  politische,  sondern  auch  konfessionelle  Ziele

verfolge!
(Sehr  richtig!  bei  den  Polen.)

Es  wundert  mich,  meine  Herren,  daß  solcher  Vorwurf  hat  erhoben  werden
können,  wo  ich  so  oft  betont  habe,  mit  wie  großem  Ernst  ich  Gerechtigkeit
  gegenüber  beiden  Konfessionen  anstrebe.  Den  Gedanken,
  daß  unsere  Ostmarkenpolitik  sich  gegen  das  katholische
  Bekenntnis  richten  soll,  sei  es  gegen  das  katholische
Bekenntnis  im  allgemeinen  in  unseren  östlichen  Provinzen,
sei  es  auch  gegen  das  katholische  Bekenntnis  der  polnischen
Bevölkerung,  weise  ich  mit  Entschiedenheit  zurück.  Ich  würde
die  für  unsere  östlichen  Provinzen  von  mir  vorgeschlagenen  und  durchgesetzten
  Maßregeln  nicht  beantragt  haben,  wenn  ich  glaubte,  daß  sie
zur  Verschärfung  konfessioneller  Gegensätze  benutzt  werden  könnten.  Was
speziell  die  Ansiedler  anbelangt,  so  sind  mir  alle  deutschen  Ansiedler
gleich  lieb,  gleichviel  welcher  Konfession  sie  angehören,  wenn  sie  sich
nur  der  Pflichten  bewußt  sind,  die  das  Deutschtum  den  Deutschen  im
Osten  auferlegt.
(Bravo!  rechts.  Bewegung  bei  den  Polen.)

In  einer  so  großen  Frage,  wie  es  die  Ostmarkenfrage  ist,  sollte
nach  meiner  Ansicht  der  konfessionelle  Gegensatz  so  viel  als  möglich  zurücktreten.


(Bravol  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen.)

Unter  den  Rednern  des  Tages  befanden  sich  zwei  Mitglieder  der  polnischen
Fraktion,  die  Abgeordneten  Graf  von  Brudzewo-Mielzynski  und  Dr.  von
Jazdzewski.  Gegen  ihre  Ausführungen  wandte  sich  der  Reichskanzler  in  einer
zweiten  Rede  dieses  Tages.