März  1905.  205

Arbeitervertretern  in  Unterhandlung  getreten  war  und  ihrerseits  eine
Vermittlung  anzubahnen  versuchte.

(Sehr  richtig!  links.)

Wozu  die  Königliche  Staatsregierung  bereit  war,  das  konnten  die  Zechenbesitzer
  auch.
(Sehr  richtig!)

Die  Zechenbesitzer  wollten  die  Siebenerkommission,  die  gebildet  war  aus
Vertretern  der  christlichen  und  sozialdemokratischen  Gewerkschaft  und  des
Hirsch-Dunckerschen  Gewerkvereins,  nicht  als  berufene  Vertretung  der
Belegschaften  anerkennen.  Dabei  spielte  zweifellos  grundsätzliche  Abneigung
der  Unternehmer  gegen  die  Organisationen  der  Arbeiter  als  solche  mit.
Meine  Herren,  wenn  wir  sehen,  wie  die  moderne  Entwicklung  mehr
und  mehr  zum  Großbetriebe,  zum  Riesenbetriebe  hindrängt,  wenn  wir
sehen,  wie  die  Kapitalkräfte  sich  syndizieren  und  kartellieren,  wie  das
alte  persönliche  Verhältnis  zwischen  dem  Fabrikherrn  und  seinen  Arbeitern
immer  mehr  schwindet,  wenn  wir  sehen,  wie  der  Arbeiter  gegenüber  der
unpersönlichen  Kapitalsmacht  vielfach  allmählich  zur  bloßen  Zahl  wird,
können  wir  da  das  Bestreben  der  Arbeiter  unbillig  finden,  auch  ihrerseits
durch  Zusammenschließen  zu  Vereinen,  zu  Verbänden  von  der  Macht
der  Zahl  zu  profitieren?  Ich  habe  im  Reichstag  gesagt,  daß  es  ein
schwieriges  Problem  ist,  einerseits  die  kartellierten  Kapitalkräfte,
  andererseits  die  Gewerkschaftsbildung  in  den  richtigen,
durch  das  Gemeinwohl  gezogenen  Grenzen  zu  halten.  Dieses
Problem  ist  nach  meiner  festen  Überzeugung  nicht  in  dem  Sinne  zu
lösen,  wie  es  die  Haltung  der  beteiligten  Zechenbesitzer  und  Banken  in
der  Hibernia-Angelegenheit  und  gegenüber  den  staatlichen  Vermittlungsversuchen
  bei  der  Kalamität  des  Bergarbeiterstreiks  anzeigt,  das  heißt
im  Sinne  möglichster  Ausschaltung  des  Staates.  Das  geht  nicht,  der
Staat  muß  seine  ordnende  und  schützende  Hand  auch  auf
diesem  weiten  Gebiet  walten  lassen.

Meine  Herren,  man  hat  auch  auf  den  Anteil  der  Sozialdemokratie
an  diesem  Streik  hingewiesen,  auf  die  Haltung,  welche  diese  die  Existenzberechtigung
  des  heutigen  Staates  überhaupt  leugnende  Partei  vor,
während  und  nach  dem  Streik  im  Ruhrrevier  eingenommen  hat.  Ganz
einverstanden,  meine  Herren!  Die  verhetzende  Tätigkeit  der  Sozialdemokratie
  ist  kaum  je  drastischer  zutage  getreten  als  bei  diesem  Anlaß.  Diese
Tätigkeit  mag  für  die  Zeit  unmittelbar  vor  dem  Ausbruch  des  Streiks
schwieriger  nachzuweisen  sein.  Es  handelt  sich  eben  um  das  allmäh-