März  1905.  207

Zechen  und  Hochöfen  sicherlich  noch  eine  gute  Weile  haben  aushalten
können,  die  Arbeiter  hätten  schließlich  doch  die  Arbeit  auf  Gnade  oder
Ungnade  wieder  aufnehmen  müssen,  die  Betriebsleitung  hätte  alle  aufsässigen
  Elemente  ausscheiden,  den  Gewerkschaften  einen  schweren  Stoß
versetzen  können.

Meine  Herren,  wäre  damit  die  Sozialdemokratie  wirklich  wirksam
bekämpft  worden?  Verlängerung  des  Streiks  bedeutete  Vergrößerung
der  Not  und  des  Familienelends  unter  den  Bergarbeitern

sehr  richtig!),
Not  und  Elend  aber  sind  der  beste  Acker  für  die  Sozialdemokratie.
(Sehr  richtig!  Sehr  wahrl)
Warum  hätte  sonst  die  Sozialdemokratie  einer  schleunigen  Beendigung
des  Kampfes  mit  allen  Mitteln  entgegengearbeitet?  Warum  hätee  sie
nach  der  Ankündigung  des  Staatswillens,  zu  vermitteln,  einzugreifen,
soweit  er  es  kann  —  warum  hätte  sie  nach  dieser  Ankündigung  dieses
Staatswillens  allen  Zorn  auf  die  Regierung  abgeladen?!  Die  Sozialdemokratie
  braucht,  um  für  ihre  Grundsätze  gegen  diesen  sogenannten
Klassenstaat,  gegen  die  sogenannte  kapitalistische  Gesellschaft  und  Weltordnung
  neue  Anhänger  zu  werben,  um  ihre  alten  Anhänger  bei  ihrer
Fahne  zu  erhalten,  die  Unzufriedenheit  der  Massen  und  die  Hoffnungslosigkeit
  des  armen  Mannes.  Was  die  Sozialdemokratie  an  Mitgliederanzahl
  des  alten  Bergarbeiterverbandes  vielleicht  verloren  hätte,  das
würde  sie  sicherlich  an  agitatorischer  Kraft  reichlich  wiedergewonnen  haben.
(Sehr  richtig!)

Solange  ich  an  dieser  Stelle  stehe,  werden  Sie  mich  im
Kampfe  gegen  die  Bestrebungen,  die  freiheits=  und  kulturwidrigen
  Bestrebungen  der  Sozialdemokratie  immer  auf  dem
Platze  finden!  Aber  auf  schwankendem,  moorigem  Boden  reite
ich  keine  Attacke.

Meine  Herren,  die  Bergarbeiter  des  Ruhrreviers  haben  die  Arbeit
wieder  aufgenommen  mit  der  Hoffnung,  daß  ihnen  die  in  Aussicht  gestellte
  Novelle  zum  Berggesetz  einen  stärkeren  Schutz  ihrer  Arbeitskraft,
eine  sichere  Gewähr  ihrer  Arbeitsleistung  und  die  Einführung  von
Arbeiterausschüssen  bringen  wird.  Mögen  auch  die  Ulbelstände  in  den
Bergwerken  vor  Ausbruch  des  Streiks  stark  übertrieben  worden  sein,  so
vermag  doch  die  staatliche  Fürsorge  in  mehr  als  einer  Richtung  helfend
und  fördernd  einzugreifen.  Enttäuschen  Sie,  meine  Herren,  diese  Hoffnungen
  nicht!  Prüfen  Sie  mit  Wohlwollen  die  Vorschläge,  welche  Ihnen