März  1905.  213

sozialdemokratischen  Presse,  bei  welcher  von  vornherein  und
immer  wieder  der  politische,  der  revolutionäre  Pferdefuß
zum  Vorschein  kam.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Die  sozialdemokratische  Presse  war  von  Anfang  an  bemüht,  Mißtrauen
gegen  die  Regierung  und  gegen  die  Volksvertretung  zu  erwecken.  Bevor
die  Novelle  zum  Berggesetz  angekündigt  wurde,  erklärte  die  sozialdemokratische
  Presse,  daß  von  der  Regierung  und  von  dem  Parlament  unter
keinen  Umständen  irgendwelche  gesetzliche  Remedur  zu  erwarten  wäre.

(Zuruf  bei  den  Sozialdemokraten.)

—  Warten  Sie  doch  ab!  Als  die  Regierung  dann  im  Interesse  des
sozialen  Friedens  mit  Unparteilichkeit  und  Gerechtigkeit  gegenüber  den
streitenden  Teilen  die  Novelle  zum  Berggesetz  in  Aussicht  stellte,  da
hat  die  sozialdemokratische  Presse  alles  getan,  um  den  Arbeitern  die
Frende  an  diesem  Eingreifen  zu  verekeln.  Regierung  und  Parlament
wurden  aufgefordert,  etwas  für  die  Bergarbeiter  zu  tun,  gleichzeitig
aber  wurden  dieselbe  Regierung  und  dasselbe  Parlament  als  „Kapitalistenregierung“,
  als  „Kapitalistenparlament“  mit  Schmähungen  überhäuft.
  Im  Gegensatz  zu  den  Ausführungen  des  Herrn  Abgeordneten
Bebel  behaupte  ich,  daß  der  Ausstand  schon  viel  früher  zu  Ende  gekommen
  wäre,  wenn  die  sozialdemokratische  Presse  nicht  immerfort  Ol
ins  Feuer  gegossen  hätte.
(Sehr  richtig!)

Das  ist  sogar  in  solchen  Blättern  anerkannt  und  hervorgehoben  worden,
die  weder  der  Regierung  besonders  freundlich,  noch  den  Wünschen  und
Forderungen  der  Arbeiter  irgendwie  feindlich  gegenüberstehen.  Ich
habe  hier  einen  Ausschnitt  aus  der  „Frankfurter  Zeitung“  vor  mir,
die  meinte,

daß  sich  in  der  Bergarbeiterangelegenheit  der  sozialdemokratische

Parteivorstand  und  die  sozialdemokratische  Presse

es  ist  die  „Frankfurter  Zeitung“,  die  so  spricht!  —

geradezu  täppisch  benommen  hätten.  Mit  ihrer  abgebrauchten

Waschzettelphraseologie  hätte  die  Sozialdemokratie  mal  wieder

eine  große  Dummheit  gemacht.
Ein  anderes,  den  Forderungen  der  Arbeiter  gleichfalls  sympathisch
gegenüberstehendes  Blatt,  die  „Kölnische  Volkszeitung“",  wies  während
des  Streiks  darauf  hin,  daß  der  „Vorwärts“  den  Kampf  der  Berg-