März  1905.  215

unter  der  Voraussetzung,  daß  ich  nach  links  rutschen  soll,  auch  unter
der  Voraussetzung,  daß  ich  die  Sicherheit  des  Landes  kompromittieren
soll,  indem  ich  nicht  mehr  für  die  Aufrechterhaltung  und  Vervollständigung
  unserer  Rüstung  sorge.

Ja,  meine  Herren,  es  war  mir  charakteristisch,  daß,  als  während
der  Rede  des  Herrn  Abgeordneten  Bebel  bei  dem  Passus,  wo  er  von
einer  möglichen  Bundesgenossenschaft  zwischen  seiner  Partei  und  den
Herren  von  dieser  Bank  sprach,  der  Zwischenruf  ertönte:  „Auf  wie
lange?“,  sich  seiner  eine  gewisse  Verlegenheit  bemächtigte,  die  ich  sonst
an  ihm  nicht  gewohnt  bin.

(Heiterkeit.)

Auch  erinnere  ich  mich  zu  deutlich,  daß  der  Abgeordnete  Bebel  bei  verschiedenen
  Gelegenheiten  und  namentlich  in  Amsterdam  mit  der  Offenheit
  —  ich  möchte  das  französische  Wort  gebrauchen:  mit  derjenigen
candeur,  die  ihm  ab  und  zu  eigen  ist,  ausdrücklich  gesagt  hat,  die
Sozialdemokratie  nehme  alle  Konzessionen  entgegen,  die  man  ihr  mache,
sie  lasse  sich  jede  Bundesgenossenschaft  gefallen,  sie  halte  aber  immer
fest  an  ihren  letzten  Zielen.

(Sehr  wahr!  bei  den  Sozialdemokraten.)

Diese  letzten  Ziele  der  Sozialdemokratie  —  die  wären  eben  die  Ohnmacht
  des  Landes  nach  außen  und  die  Anarchie  im  Innern!

(Zurufe  bei  den  Sozialdemokraten.)

Auch  dagegen  hat  sich  der  Herrn  Abgeordnete  Bebel  gewendet,  daß
ich  neulich  gesagt  habe,  ich  würde,  solange  ich  hier  stünde,  die  kulturfeindlichen
  und  freiheitfeindlichen  Tendenzen  und  Bestrebungen  der  Sozialdemokratie
  bekämpfen.  Der  Herr  Abgeordnete  von  Kardorff  hat  soeben  schon
mit  Recht  auf  den  seltsamen  Widerspruch  hingewiesen  zwischen  einem  solchen
Anspruch  auf  Kultur  und  zwischen  dem  Tone,  ich  kann  wohl  sagen:
dem  oft  sehr  rohen  Tone  der  sozialdemokratischen  Presse.  Nach  dem
Abgeordneten  Bebel  soll  meine  Auffassung  von  der  Freiheitfeindlichkeit
und  von  der  Kulturfeindlichkeit  der  Sozialdemokratie  nur  von  einem
sehr  kleinen  Kreis  meiner  politischen  oder  persönlichen  Freunde  geteilt
werden.  Das  weise  ich  entschieden  zurück.

(Sehr  wahrl)

Ich  bin  im  Gegenteil  der  festen  Uberzeugung,  daß  die  Mehrheit,
die  sehr  große  Mehrheit  des  deutschen  Volkes  nicht  die  mindeste  Lust