Mai  1905.  217

Ruhrrevier,  wie  er  sich  ausdrückte,  zärtlichen  Weise  ausgesprochen  hätte.
Ein  Blick  in  diejenigen  Blätter,  die  mehr  oder  weniger  als  das  Sprachrohr
  des  Bergbaulichen  Vereins  gelten,  beispielsweise  in  die  „Rheinisch—
Westfälische  Zeitung“,  müßte  den  Herrn  Abgeordneten  eher  vom  Gegenteil
  überzeugen.  Gewiß,  meine  Herren,  ich  befleißige  mich  der  Gerechtigkeit,
  und  deshalb  verkenne  ich  nicht,  daß  die  Unternehmer  im  Ruhrrevier
Männer  sind,  die  durch  rastlosen  Fleiß,  große  geschäftliche  Tüchtigkeit,
hohe  Intelligenz,  die  hier  und  da  durch  Genialität  in  allererster  Linie
der  deutschen  Industrie  ihren  Weltruf  erworben  und  ihre  Weltstellung
erobert  haben.  Aber  ebenso  offen,  wie  ich  das  anerkenne  und  würdige,
habe  ich  in  den  verschiedenen  Debatten,  die  über  den  Ruhrstreik  und
die  Novelle  zum  Berggesetz  stattgefunden  haben,  die  Punkte  namhaft
gemacht,  wo  nach  meiner  Ansicht  die  Unternehmer  nicht  richtig  operiert
haben.  Ich  habe  gesagt,  daß  ihre  Haltung  gegenüber  dem  letzten  Streik
politisch  und  auch  taktisch  nicht  gerechtfertigt  war,  und  ich  wiederhole
auch  bei  diesem  Anlaß,  daß  ich  die  Opposition,  die  nach  meiner  Ansicht
viel  zu  heftige  und  leidenschaftliche  Opposition,  welche  die  Zechenbesitzer
gegen  die  Novelle  zum  Berggesetz  machen,  bedauere  und  beklage.

Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  behauptet,  ich  hätte  ihm  Außerungen
in  den  Mund  gelegt,  die  er  nicht  getan  habe.  Er  möge  doch  damit
anfangen,  mir  nicht  Außerungen  in  den  Mund  zu  legen,  die  mir  niemals
eingefallen  sind.  Ich  habe  niemals  gesagt,  daß  der  Herr  Abgeordnete
Bebel  behauptet  hätte,  der  Herr  Abgeordnete  Erzberger  hätte  mir  Zeitungsausschnitte
  geliefert.  Ich  habe  nur  gesagt,  daß  ein  sozialdemokratisches
Blatt,  das  führende  sozialdemokratische  Organ,  diese  Behauptung  aufgestellt
  hat,  die  ich  nochmals  als  einen  albernen  Schwindel  charakterisiere.

(Sehr  gut!  rechts.)

Ferner,  meine  Herren,  soll  ich,  wie  der  Herr  Abgeordnete  Bebel
glaubt,  die  Hilfe  unterschätzen,  die  eventuell  die  Sozialdemokratie  der
Regierung  bieten  könnte.  Darauf  erwidere  ich  ihm:  wenn  die  Regierung
  seine  oder  seiner  Freunde  Unterstützung  und  Hilfe
irgendwie  in  Betrachtung  ziehen  soll,  dann  müssen  sie  sich
nicht  nur  mausern,  sie  müssen  sich  eine  ganz  andere  Hant
anschaffen!

(Heiterkeit  und  Beifall  rechts,  in  der  Mitte
und  bei  den  Nationalliberalen.  —  Zurufe  von  den  Sozialdemokraten.)

Dann,  meine  Herren,  hat  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  mir  vorgehalten,
  daß  ich  mir  öfters  erlaubt  habe,  an  ihn  die  Frage  zu  richten,