218  26.  Bebels  Zukunftsstaat.

wie  er  sich  eigentlich  die  Organisation  seines  Zukunftsstaats  denke;
daß  ich  darauf  hingewiesen  habe,  daß  ein  großer  Abstand  bestehe  zwischen
den  ausschweifenden  Hoffnungen,  welche  die  Sozialdemokratie  in  dieser
Richtung  erweckt,  und  den  spärlichen,  so  kärglichen  und  dürftigen  Mitteilungen,
  die  wir  über  den  realen  Inhalt  dieses  Wolkenkuckucksheims
zu  hören  bekommen.  Als  er  sich  soeben  anschickte,  dieses  Thema,  diese
Frage  anzuschneiden,  da  sagte  ich  mir:  nun  kommt  es  endlich!

(Heiterkeit.)

nun  wird  er  endlich,  durch  mich  gereizt,  uns  alles  enthüllen!  Es  war
aber  wieder  nichts;  der  Zukunftsstaat  kommt  niemals  aus  dem  Futteral
heraus!

(Große  Heiterkeit.)

Ich  muß  also  wiederholen,  daß  es  nicht  nur  unlogisch,  daß  es  ein  Unrecht
  gegen  die  Arbeiter  ist,  immerfort  Möglichkeiten  an  die  Wand  zu
malen,  über  die  sie  obsolut  nichts  Tatsächliches  und  Korrektes  vor  diesem
Hohen  Hause  mitzuteilen  vermögen.

Schließlich  hat  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  mir  mit  großem  Pathos
erklärt,  daß  er  das  Verhalten  derjenigen  seiner  Parteigenossen  mißbillige,
die  bei  Streiks  ganz  andere  Mittel  angewandt  haben  als  sie  im  Ruhrgebiet
  die  Königlich  preußische  Staatsregierung  angewandt  hat.  Daß
er  dies  Verhalten  seiner  Parteigenossen  von  seinem  Standpunkt  aus
mißbilligt,  das  begreife  ich  ja.  Aber  wenn  seine  Parteigenossen,  sobald
sie  vor  das  reale  Problem  des  Streiks  gestellt  werden,  sich  so  verhalten,
wie  ich  das  vorher  ausgeführt  und  nachgewiesen  habe,  dann  sollte  der
Herr  Abgeordnete  Bebel  auch  nicht  ein  derartiges  Geschrei  erheben
über  Splitter  im  Auge  der  Regierung,  wenn  er  und  seine  Freunde  so
faustdicke  Balken  im  Auge  tragen.  Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat
ja  selbst  und  mit  großem  Recht  in  Amsterdam  auf  dem  Internationalen
sozialdemokratischen  Parteitag  gesagt  —  und  das  möchte  ich  Sie,  meine
Herren  von  der  Sozialdemokratie,  bitten,  sich  ins  Stammbuch  zu
schreiben  —:  „Die  Republik  ist  nicht  so  gut,  wie  wir  sie  machen,  und
die  Monarchie  ist  nicht  so  schlecht,  wie  wir  sie  machen!“

(Lebhafter  Beifall.  —  Unruhe  bei  den
Sozialdemokraten.)