226  28.  Berggesetznovelle.

ernstlich  gefährdet  wird.  Ahnliches  hat  auf  Grund  der  Reichsgewerbe—
ordnung  der  Bundesrat  schon  für  andere  Gewerbe  bestimmt.  Das  Gleiche
war  von  der  Preußischen  Staatsregierung  schon  vor  zwölf  Jahren  auch
für  die  Bergleute  in  Aussicht  genommen.  Die  Arbeiterausschüsse  sollen
der  Vermittlung  zwischen  Arbeitgebern  und  Arbeitnehmern  dienen.  Sie
bestehen  in  den  fiskalischen  Gruben  im  Saarrevier,  auch  in  verschiedenen
Privatbetrieben,  ohne  die  Folgen  hervorzurufen,  welche  von  manchen
Seiten  befürchtet  werden.  Im  großen  und  ganzen  läßt  sich  sagen,  daß
die  Novelle  nichts  enthält,  was  nicht  in  den  staatlichen  Gruben  schon
eingeführt  worden  wäre  und  sich  bewährt  hätte.

Ich  möchte  ferner  auch  daran  erinnern,  daß  die  Königliche
Staatsregierung  durch  ihre  Behandlung  des  Streiks  einen
Ausstand  von  einer  Ausdehnung,  wie  ihn  Preußen  und  die
Welt  kaum  je  gesehen  haben,  in  ruhigen  und  gesetzlichen
Bahnen  hielt  und  zum  Abschluß  brachte,  bevor  derselbe
unserm  ganzen  wirtschaftlichen  Leben,  Arbeitnehmern  und
Arbeitgebern,  unheilbare  Wunden  geschlagen  hatte.  Man  hat
das  zwar  bestreiten  wollen  und  behauptet,  daß  diefer  Streik  gar  kein
wirtschaftlicher  Kampf,  sondern  lediglich  ein  politischer  Streik  gewesen
wäre;  deshalb  hätte  die  Königliche  Staatsregierung  keine  Zusagen  machen
dürfen.  Meine  Herren,  wenn  die  Voraussetzung  zutreffend  wäre,  so
würde  ich  auch  die  Kritik  akzeptieren.  Nach  meiner  Überzengung  trifft
aber  die  Voraussetzung  nicht  zu.  Wie  ist  der  Streik  im  Ruhrrevier
entstanden?  Auf  einer  einzelnen  Zeche  traten  die  Arbeiter  in  den  Ausstand,
  weil  die  Seilfahrt  ohne  Anrechnung  auf  die  Arbeitszeit  verlängert
werden  sollte.  Die  Bewegung  griff  rasch  auf  andere  Zechen  über  und
erfaßte  das  ganze  Ruhrgebiet,  gegen  die  Bemühungen  der  Gewerkschaftsführer
  aller  drei  Richtungen,  ohne  Unterschied  der  christlichen,  der  sozialistischen
  und  der  freisinnigen  Parteifarbe.  Ich  brauche  kaum  zu  sagen  und
habe  niemals  einen  Zweifel  darüber  gelassen,  daß  ich  diesen  Streik  an
und  für  sich  als  einen  leichtfertigen,  der  Begründung  entbehrenden  ansehe
  und  stets  angesehen  habe;  das  ändert  aber  nichts  an  Tatsachen,
über  die  man  nicht  hinweg  kann,  auch  wenn  man  den  Kontraktbruch  der
Arbeiter  so  scharf  verurteilt,  wie  ich  ihn  immer  verurteilt  habe,  in
meiner  Antwort  an  die  Bergleute,  als  sie  meine  Vermittlung  anriefen,
wie  auch  in  meinen  öffentlichen  Erklärungen  sowohl  im  Abgeordnetenhause
  wie  im  Reichstage.  Der  Herr  Handelsminister  hat  den  Streik
einen  Sympathiestreik  genannt;  man  könnte  wohl  auch  von  einem  Streik
des  Mißtrauens  sprechen.  Die  Funken,  die  aus  der  Bruchstraße  auf-