Inni  1903.  233
politischen  Kampfe  ist,  sondern  eine  unberechtigte,  mit  allen
gesetzlichen  Mitteln  zu  bekämpfende.  Auf  sozialem  Gebiete
sehe  ich  ebensowohl  in  der  ruhigen  und  planmäßigen  Fortführung
  unserer  Sozialpolitik  wie  in  der  entschlossenen  Bekämpfung
  der  Sozialdemokratie  die  Aufgabe  der  Königlichen
Staatsregierung,  und  ich  hoffe,  daß  uns  die  Unterstützung  dieses
Hohen  Hauses  in  der  einen  wie  in  der  anderen  Richtung  nicht  fehlen  wird.

Endlich,  meine  Herren,  hat  Herr  Freiherr  von  Manteuffel  aus
dem  reichen  Schatze  seiner  Erinnerungen  ein  Wort  seines  verewigten
Vaters  zitiert,  daß  Revolutionen  oft,  daß  sie  meist  von  oben
gemacht  werden.  Meine  Herren,  das  Wort  ist  richtig,  die  Geschichte
bestätigt  es.  Revolutionen  können  aber  von  oben  in  zweifacher  Weise
gemacht  werden:  sie  können  von  oben  gemacht  werden  durch  Schwäche
gegenüber  subversiven  Bestrebungen;  das  ist  leider  schon  dagewesen.
Sie  können  aber  auch  dadurch  gemacht  werden,  daß  notwendige
Reformen  nicht  rechtzeitig  vorgenommen  und  daß  die  Zeichen  der  Zeit
nicht  erkannt  und  verstanden  werden.  Ich  bin  überzeugt,  daß  der  verewigte
  Freiherr  von  Manteuffel,  daß  unser  großer  Feldmarschall  von
Moltke  das  von  Herrn  von  Manteuffel  eben  zitierte  Wort  in  dieser
seiner  doppelten  Bedentung  verstanden  haben.  Ich  denke,  meine  Herren,
daß  die  Dynastie,  unter  der  wir  leben,  immer  mit  der  entschlossenen
und  festen  Verteidigung  der  Fundamente  des  Prenußischen  Staates
offenen  Sinn  für  die  Erfüllung  berechtigter  Wünsche  und  gerechter
Forderungen  verbinden,  daß  sie  immer  festhalten  wird  an  ihrem  Wahrspruche:
  suum  cuiqne,  jedem  das  Seine,  dem  Großen  und  dem  Kleinen.
Ich  schließe  mit  der  Hoffnung,  daß,  wie  mit  dem  Hause  der  Abgeordneten,
  so  auch  mit  diesem  Hohen  Hause  wir  zu  einer  Verständigung
kommen  werden,  die  im  Interesse  aller  Teile,  die  im  Interesse  des

Landes  liegt.
(Lebhaftes  Bravo.)

29.  Berggesetznovelle.
Sitzung  des  Herrenhauses  vom  28.  Juni  1905.1)
Die  entscheidende  Beratung  über  die  Abänderung  des  Berggesetzes  stand  auf

der  Tagesordnung  des  Herrenhauses.  Als  die  Debatte  sich  dem  Ende  zuneigte,
ergriff  der  Reichskanzler  das  Wort  zu  einem  letzten  Appell  an  das  Haus.

1)  Steun.  Ber.  d.  Verhandl.  des  Herrenhanses  1904/1905,  15.  Sitzung.