Dezember  1905.  241

Staatshaushalt,  wegen  laufender  Ausgaben  die  Schulden  zu  vermehren,
so  gibt  die  Sache  zu  um  so  größeren  Bedenken  Anlaß,  wenn  bereits
eine  übermäßige  Schuldenlast  vorhanden  ist.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Nach  der  glücklichen  Sorglosigkeit  der  ersten  Jahre  im  neuen  Reich,
die  noch  unter  dem  Einflusse  des  Milliardensegens  standen,  hat  sich
eine  Schuldenlast  entwickelt,  die  man  in  einem  verhältnismäßig  so
kurzen  Zeitraum  nicht  für  möglich  halten  sollte.

(Sehr  richtig!  rechts.  Sehr  richtig  links  und  in  der  Mitte.  —
Heiterkeit.)

—  JIch  werde  Ihnen  gleich  die  Zahlen  geben,  dann  werden  Sie  erst
recht  „sehr  richtig!“  rufen!  —  Bis  1877  schuldenfrei;  1905  über
31½  Milliarden  Schulden.

(Heiterkeit.)

—  Hören  Sie  nur  weiter!  —  1877  78  betrugen  bei  Beginn  der  Begebung
  von  Reichsanleihen  die  Passiva  nach  Abstoßung  früherer  Verbindlichkeiten
  72  Millionen  Mark.  Der  Anleihebestand  betrug  1881.82
bereits  —  ich  will  in  runden  Ziffern  zitieren  —  319  Millionen  Mark,
1886,87  186  Millionen  Mark,  1891/92  1686  Millionen,  1896,97
2141  Millionen,  1901  2813  Millionen  und  schließlich  in  diesem  Jahre,
1905,  über  3½  Milliarden:  3543  Millionen,  welche  mehr  als  100  Millionen
  Mark  Zinsen  jährlich  beanspruchen,  also  etwa  ebensoviel,  wie
der  Fehlbetrag  im  ordentlichen  Etat  für  das  Rechnungsjahr  1905
ausmacht.

Zum  Vergleich  der  Schulden  des  Reiches  mit  denen  anderer  größerer
Staaten  will  ich  noch  folgende  Zahlen  anführen.  1902  betrugen  die
Schulden  des  Reichs  einschließlich  derjenigen  der  Bundesstaaten  rund
14  Milliarden  Mark  oder  251  M.  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung;  in
Osterreich  7½  Milliarden,  295  M.  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung;  in
Ungarn  4  Milliarden,  204  M.  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung;  in
Italien  10  Milliarden,  in  Frankreich  24  Milliarden,  in  Großbritannien
16  Milliarden.  Das  Bild  ändert  sich  aber  noch  mehr  zu  Ungunsten
des  Deutschen  Reiches,  wenn  wir  das  Anwachsen  der  Schulden  ins
Ange  fassen.  Die  Schulden  des  Reiches,  und  zwar  ohne  diejenigen  der
Bundesstaaten  sind  von  1885  bis  1902  um  539,4  %,  in  den  zehn
Jahren  von  1892  bis  1902  um  61,6  %  gestiegen.

%½  9  e-(Hört!
  hört.)
Penzler,  Fürst  Bülows  Reden  2c.  II.  16