Dezember  1905.  253

stark  genug  ist,  ihre  Geschicke  in  die  eigene  Hand  zu  nehmen,  auch
gegen  jede  Koalition  jeder  Eventualität  entgegensehen  können.
(Lebhaftes  Bravo.)

Meine  Herren,  der  Herr  Vorredner  hat  auch  Verhältnisse  und
Vorgänge  in  Ostasien  berührt.  Gegenüber  Japan  war  unsere  Politik
vor,  während  und  nach  dem  ostasiatischen  Kriege  korrekt  und  loyal.  Das
ist  in  Japan  durchaus  anerkannt  worden.  Unsere  Beziehungen  zu  Japan
sind  gut  und  freundlich.  Schon  das  eigene  Interesse  weist  Japan  auf
Achtung  vor  geschlossenen  Verträgen  hin.  Ich  glaube  nicht,  daß  Japan
vertragsmäßige  und  wohlbegründete  Rechte  sollte  verletzen  wollen.  Ich
glaube  vielmehr,  daß  das  japanische  Volk,  das  sich  durch  Tapferkeit  und
Intelligenz  seinen  Platz  unter  den  großen  Mächten  erobert  hat,  bestrebt
sein  wird,  diese  Stellung  durch  eine  Vertrauen  erweckende  Politik  zu
festigen  und  zu  sichern.

Daß  durch  den  neuen  japanisch-englischen  Vertrag  unsere
Stellung  in  Ostasien  beeinträchtigt  werden  sollte,  ist  bisher  nicht  anzunehmen.
  Natürlich  kommt  es  auf  den  Geist  an,  in  dem  dieser  Vertrag
ausgelegt  und  ausgeführt  werden  wird.  Sein  Wortlaut  steht  in  keinem
Widerspruch  zu  den  Zielen,  die  wir  selbst  in  Ostasien  verfolgen.  Wir
haben  in  Ostasien  nie  etwas  anderes  angestrebt  als  die  offene  Tür  für
unseren  Handel,  für  unsere  Industrie,  für  unsere  Kultur.  Und  weil  wir
die  offene  Tür  in  diesem  Sinne  wollen,  sind  wir  für  möchlichste  Sicherung
des  Friedens  und  für  die  Aufrechterhaltung  der  Integrität  und  der
Unabhängigkeit  von  China.  Das  waren,  das  bleiben  die  Ziele  unserer
ostasiatischen  Politik,  wie  ich  sie  mehr  als  einmal  vor  diesem  Hohen  Hause
dargelegt  habe.  Mit  dieser  Politik  sind  die  Zwecke  des  japanischenglischen
  Bündnisses,  wie  sie  Lord  Landsdowne  Anfang  November
öffentlich  erläutert  hat,  wohl  vereinbar.  Insbesondere  haben  wir  nie
einem  Zweifel  darüber  Raum  gelassen,  daß  wir  in  Schantung  nur  wirtschaftliche
  Ziele  verfolgen.

In  Ubereinstimmung  mit  dieser  unserer  allgemeinen  ostasiatischen
Politik  haben  wir  die  Zurückziehung  unserer  Kontingente  aus
Tschili  in  dem  Angenblick  in  Angriff  genommen,  den  wir  immer  als
den  geeignetsten  Moment  für  die  Räumung  bezeichnet  hatten,  nämlich  bei
Wiederherstellung  des  Friedens  in  Ostasien.  Als  dieser  Augenblick  mit
der  Ratifikation  des  Friedens  von  Portsmouth  gekommen  war,  haben
wir  allen  in  Tschili  noch  mit  Kontingenten  vertretenen  Mächten  die
Evaknierung  vorgeschlagen.  Dieser  unser  Vorschlag  ist  von  allen  Mächten
angenommen  worden.  Die  Einzelheiten  der  Räumung,  die  gleichzeitig