Dezember  1905.  263

Verstärkung  der  dem  Gouverneur  Graf  von  Götzen  zur  Verfügung  stehenden
militärischen  Machtmittel  als  notwendig  erwiesen,  und  wir  haben  uns
genötigt  gesehen,  für  die  dadurch  entstehenden  Kosten  in  einem  Nachtragsetat
  Ihre  Bewilligung  nachzusuchen.

Es  sind  große  Opfer,  die  dem  deutschen  Volke  durch  den  südwestafrikanischen
  Feldzug  auferlegt  wurden.  Besonders  schmerzlich
berühren  uns  —  ich  will  das  auch  von  dieser  Stelle  aussprechen  —  die
Verluste  so  vieler  wertvoller  Menschenleben.  Mancher  deutschen
Mutter  Sohn  hat  drüben  in  afrikanischer  Erde  ein  frühes
Grab  gefunden;  die  Familien,  die  Verluste  zu  beklagen  haben,
zählen  nach  Hunderten.  Es  darf  uns  und  es  soll  uns  in  diesem
Schmerz  der  Gedanke  ein  Trost  sein,  daß  in  unserem  Volk  und
in  unserer  waffenfähigen  Jugend  noch  der  alte  Soldatengeist

  lebt
(bravol!),

daß  unsere  Leute  unter  Verhältnissen,  wie  sie  schwieriger
kaum  gedacht  werden  können,  Verhältnissen,  die  an  Manneszucht,
  Tapferkeit,  Hingebung  die  höchsten  Anforderungen
stellten,  Offiziere  und  Mannschaften  sich  des  deutschen
Namens  und  alten  Ruhmes  würdig  gezeigt  haben.

(Lebhaftes  Bravo.)
Sie  haben  nicht  nur  zu  sterben,  sondern  sie  haben,  was
manchmal  schwieriger  ist,  auch  zu  ertragen,  zu  entbehren  und
zu  leiden  verstanden.  Das  deutsche  Volk  wird  das  Andenken  an
diejenigen  seiner  Kinder,  die  für  das  Deutschland  jenseits  des  Meeres
in  Kampf  und  Tod  gegangen  sind,  ebenso  treu  bewahren,  wie  die
Erinnerung  an  seine  Söhne,  die  in  dem  Kampf  um  unsere  nationale
Einigung  den  Heldentod  gefunden  haben.

(Lebhaftes  Bravo.)

Meine  Herren,  für  ein  Ziel,  um  das  so  viele  Söhne  unseres
Volkes  freiwillig  in  den  Tod  gegangen  sind,  dürfen  uns  die
Opfer  an  Geld  und  Gut  nicht  zu  hoch  sein.  Gewiß,  die  finanzielle
Belastung,  die  uns  durch  den  südwestafrikanischen  Feldzug  auferlegt  wird,
ist  ungemein  schwer.  Diese  Last  wird  doppelt  empfunden  in  einer  Zeit,
wo  so  viele  andere  dringende  Aufgaben  der  Lösung  harren.  Aber,
meine  Herren,  wir  müssen  durchhalten,  wenn  anders  wir  die
Kolonien  nicht  preisgeben  wollen.

(Bravo!  und  Sehr  richtig!  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen.)