264  31.  Dentsche  Kolonien.

Ich  glaube  mit  dem  Herrn  Abgeordneten  Bassermann,  daß  durch  das
Blut,  das  in  Südwestafrika  geflossen  ist,  die  Schutzgebiete  nur  noch
fester  mit  dem  Mutterland  verbunden  sind.  Ich  glaube  nicht  an  die
Kolonialmüdigkeit,  von  der  der  Herr  Abgeordnete  Kopsch  gesprochen  hat.
Ich  glaube,  daß  das  deutsche  Volk  heute  weniger  als  je
geneigt  ist,  seine  Kolonien  aufzugeben.
(Sehr  wahrl!)
Wenn  wir,  meine  Herren,  unseren  Besitzstand  festhalten,  wenn  wir  unsere
Kolonien  nicht  preisgeben  wollen,  dann  müssen  wir  uns  auch  der  Pflicht
bewußt  werden  —  auch  darin  stimme  ich  mit  dem  Herrn  Abgeordneten
Bassermann  überein  —,  unsere  Kolonien  in  einem  rascheren  Tempo
vorwärts  zu  bringen  und  ihnen  eine  Entwicklung  zu  geben,  die  sie  statt
einer  Last  für  den  Reichssäckel  zu  einer  Stütze  für  unsere  Weltstellung
und  für  unseren  Wohlstand  macht.
(Sehr  richtig!  rechts.)

In  dieser  Beziehung  gilt  es,  aus  den  Vorgängen  in  Afrika  die  vollen
Konsequenzen  und  ernsthafte  Lehren  zu  ziehen.

Ich  gebe  Ihnen  vollkommen  zu,  daß  auf  kolonialpolitischem
  Gebiete  Fehler  begangen  sind,  große  Fehler,  intra
muros  et  extra.  Es  hat  aber  keinen  Zweck,  sich  jetzt  nachträglich
darüber  zu  streiten,  wo  am  meisten  gesündigt  worden  ist.  Worauf  es
ankommt,  ist,  jetzt  zusammen  zu  wirken,  um  ähnliche  Fehler  für
die  Zukunft  zu  vermeiden,  um  Mißstände,  wo  sie  hervorgetreten
  sind,  zu  beseitigen,  um  Hand  anzulegen  zu  positiver
Arbeit.  Und  vor  allem  müssen  uns  die  Vorgänge  in  Afrika
eine  Lehre  dafür  sein,  wie  tener  unzeitige  und  übertriebene
Sparsamkeit  zu  stehen  kommt.

(Sehr  wahr!  rechts.)

Wenn  wir  unseren  Kolonien  die  notwendigen  Voraussetzungen
  verweigern  für  die  Sicherung  unserer  militärischen
Herrschaft  oder  für  eine  wirtschaftliche  Erschließung,  dann
können  wir  uns  auch  nicht  darüber  wundern,  daß,  wie  dies
der  Fall  gewesen  ist,  solche  Unterlassungssünden  sich  doppelt
und  dreifach  rächen.  Wo  das  Anlagekapital,  wo  das  Betriebskapital
  nicht  ausreicht,  da  kann  ein  Unternehmen  nicht  rentieren.

Ich  will  jetzt  nicht  im  einzelnen  auf  die  Forderungen  eingehen,
welche  die  verbündeten  Regierungen  diesem  Hohen  Hause  auf  kolonialpolitischem
  Gebiete  in  dieser  Session  unterbreiten;  aber  ich  möchte  auch