Dezember  1905.  267

bin  aber  überzeugt,  daß  es  uns  nach  und  nach  gelingen  wird,  einen
kolonialen  Beamtenstand  heranzubilden,  der  den  spezifischen  Anforderungen
der  Kolonien  entspricht  und  der  auf  der  Höhe  des  alten  und  guten
Rufes  unseres  heimischen  Beamtentums  steht.

Der  Herr  Abgeordnete  Bassermann  hat  auch  den  Wechsel  berührt,
der  in  der  Leitung  der  Kolonialverwaltung  vor  sich  gegangen  ist.  Meine
Herren,  ich  würde  es  für  eine  Ungerechtigkeit  halten,  nicht  auch  bei
diesem  Anlaß  meine  Anerkennung  auszusprechen  dem  bisherigen  Herrn
Kolonialdirektor  für  die  Pflichttreue,  und  ich  kann  wohl  sagen,  für  die
Selbstlosigkeit,  mit  der  er  in  harten  Zeiten  sein  Amt  wahrgenommen  hat.

(Bravol)

Ich  hoffe  und  glaube,  daß  sein  Nachfolger  der  richtige  Mann  ist,  um
die  Gesichtspunkte  durchzuführen,  die  ich  als  die  Vorbedingung  für  eine
glückliche  Gestaltung  der  kolonialen  Verhältnisse  hingestellt  habe.  Ich
erwarte  insbesondere,  daß  er  von  der  Kolonialverwaltung  fernhalten
wird  die  Krebsschäden  jeder  Verwaltung:  Bureaukratismus  und  perfönliche
  Eifersüchteleien.

(Beifall.)
Ich  bin  auch  überzeugt,  daß  es  ihm  ebenso  fern  liegen  wird  wie  mir,
tüchtige  Leute  in  Wasserstiefeln  zurückzusetzen  hinter  weniger  tüchtigen
Leuten  in  Lackschuhen.

(Heiterkeit.)

Ich  hoffe,  daß  mit  der  Unterstützung  dieses  Hohen  Hauses  unseren
Kolonien,  unserem  Schmerzenskind,  kann  ich  wohl  sagen,  bessere  Tage
und  ein  Aufschwung  bevorstehen  mögen.

Ich  will  aber  diesen  Gegenstand  nicht  verlassen,  ohne  mit  der
größten  Entschiedenheit  die  Angriffe  zurückzuweisen,  die  in
der  Sitzung  vor  acht  Tagen,  der  ich  zu  meinem  lebhaften  Bedauern,
verhindert  durch  dringende  Amtsgeschäfte,  nicht  beiwohnen  konnte,  gegen
den  General  von  Trotha  gerichtet  worden  sind.  Der  General
von  Trotha  hat  in  einem  langwierigen  und  schwierigen  Feldzuge  persönliche
  Bravour,  Energie,  Umsicht,  alle  Eigenschaften  eines  tüchtigen,
eines  hervorragenden  Führers  an  den  Tag  gelegt.

(Beifall.)
Mit  vollem  Recht  trägt  er  die  höchste  militärische  Auszeichnung,
die  Preußen  zu  vergeben  hat,  den  Orden  Pour  le  merite.
(Bravo!)

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