268  31.  Deutsche  Kolonien.  —  Denutsche  Flotte.

Solche  Angriffe,  wie  sie  gegen  den  General  von  Trotha  gerichtet  sind,
können  nur  sein  Ansehen  erhöhen,  können  nur  die  Achtung  vor  ihm  erhöhen
  bei  allen  denjenigen,  die  sich  als  Deutsche  fühlen.

(Beifall.  —  Zwischenruf  bei  den  Sozialdemokraten.)

Sachlich  habe  ich  auf  die  Vorwürfe,  die  gegen  die  Kriegsführung
des  Generals  von  Trotha  und  insbesondere  gegen  eine  wieder  zur  Sprache
gebrachte  Proklamation  des  Generals  gerichtet  worden  sind,  das  Nachstehende
  zu  sagen:

Es  ist  begreiflich,  daß  in  dem  Augenblicke,  wo  die  Proklamation
erlassen  wurde,  für  den  General  von  Trotha  die  militärischen  Gesichtspunkte
  in  erster  Linie  standen.  Diese  ließen  ihm  die  äußerste  Strenge
gegenüber  den  Hereros  als  notwendig  erscheinen.  Sie  wissen  übrigens,
daß  der  General  von  Trotha  die  Proklamation,  die  für  die  Hereros  bestimmt
  war,  durch  einen  gleichzeitig  an  die  Truppen  erlassenen  Befehl
wesentlich  abgemildert  hat.  Trotzdem  ist,  sobald  diese  Proklamation
hier  bekannt  geworden  war,  in  Ubereinstimmung  mit  den  Grundsätzen,
die  ich  vor  einem  Jahre  vor  diesem  Hohen  Hause  entwickelt  habe,  der
General  telegraphisch  angewiesen  worden,  die  Hereros,  mit  Ausnahme
der  unmittelbar  Schuldigen,  nicht  zurückzuweisen  und  für  ihre  Unterbringung
  die  guten  Dienste  der  Missionen  anzunehmen.  Nach  diesen
Grundsätzen  ist  im  ganzen  Schutzgebiet,  sowohl  im  Hererolande  wie
auf  dem  südlichen  Kriegsschauplatz,  verfahren  worden.

Meine  Herren,  wenn  Sie  sich  in  die  Lage  unserer  Leute  in  Südwestafrika
  versetzen,  so  werden  Sie  mir,  glaube  ich,  zugeben,  daß  eine
so  weit  gehende  Schonung  des  Feindes  bei  unseren  Leuten  einen  hohen
Grad  von  Selbstbeherrschung  voraussetzt.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Die  Tücke  und  die  Grausamkeit  des  aufständischen  Feindes,  wie  sie  hier
Oberst  von  Deimling  geschildert  hat,  Oberst  von  Deimling,  der  selbst  vor
dem  Feinde  gestanden  hat,  unerhörte  Strapazen  stellten  die  Geduld  und
Langmut  unserer  Leute  auf  eine  harte  Probe.  Ich  glaube,  daß,  wer
fern  vom  Schuß  sich  über  angebliche  Grausamkeiten  unserer  Leute
entrüstet,  daß  der  sich  doch  keinen  rechten  Begriff  davon  macht,  was
es  für  unsere  solchen  Anstrengungen  und  Entbehrungen,  den  Onalen
von  Hunger  und  Durst,  der  steten  Todesgefahr  ausgesetzten  Reiter  bedeutet,
  die  zu  Hunderten  vom  Feinde  ausgestoßenen  Weiber  und  Kinder
bei  sich  aufzunehmen  und  den  letzten  Schluck  Wasser  und  das  letzte
bißchen  Reis  mit  ihnen  zu  teilen.  Das  setzt  nach  meiner  Auffassung