Dezember  1905.  269

eine  Selbstverleugnung  voraus,  von  der  ich  nicht  weiß,  ob  alle  diejenigen
  sie  eintretendenfalls  an  den  Tag  legen  würden,  die  jetzt  nach
unseren  Truppen  mit  Steinen  werfen.

(Sehr  gut!  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen.)

Jedenfalls,  gegenüber  den  Versuchen,  unseren  Leuten  und  unserer  Kriegführung
  in  Südwestafrika  einen  Makel  anzuheften,  Versuchen,  die  im
Inland  hervorgehen  aus  Parteiwut,  im  Auslande  aus  Heuchelei  —
gegenüber  solchen  Versuchen  erkläre  ich,  daß  nach  meiner
Überzeugung  selten  oder  nie  ein  Kolonialkrieg  mit  solcher
geduldigen  Menschlichkeit  geführt  worden  ist,  wie  dieser
Feldzug  von  unseren  deutschen  Soldaten.
(Bravol)

Meine  Herren,  zu  meiner  Freude  haben  sich  die  Redner  dreier
Parteien  über  die  Flottenvorlage  in  einer  Weise  ausgesprochen,  die
mich  hoffen  läßt,  daß  dieses  Hohe  Haus  der  notwendigen  Verstärkung
unserer  Wehrkraft  zur  See  seine  Zustimmung  nicht  verweigern  wird.
Ich  kann  unsere  Flottenvorlage  nicht  besser  begründen  als  mit  den
Erwägungen,  die  der  italienische  Ministerpräsident  während  des  vergangenen
  Sommers  der  italienischen  Flottenvorlage  vorausschickte.  Mein
verehrter  Freund  Herr  Fortis  hob  damals  dreierlei  hervor:  einmal,  daß
seine  Flottenvorlage  hervorgehe  nur  aus  der  Notwendigkeit  der  Verteidigung;
  daß  diese  herrühre  von  den  schnellen  Fortschritten,  die  das
Seewesen  überall  machte,  und  endlich,  daß  die  Regierung  sich  darauf
beschränkt  habe,  das  für  die  Verteidigung  des  Landes  unabweislich
Notwendige  zu  fordern,  daß  diese  Verteidigung  des  Landes  aber  für
alle  Parteien  das  höchste  Ziel  sein  müsse.  Das  ist  richtig  für  uns,  wie
es  richtig  war  für  Italien.

Noch  auf  eine  andere  Motivierung  möchte  ich  mich  beziehen,  mit
der  ungefähr  um  dieselbe  Zeit  das  Oberhaupt  eines  großen  Volkes  eine
Flottenvorlage  verteidigte,  die  die  unsrige  an  Umfang  weit  übertraf.
Als  der  Präsident  Roosevelt  für  die  amerikanische  Flottenvorlage  eintrat,
  führte  er  aus,  daß  es  ein  Werkzeug  gäbe,  welches  für  das  Volk
der  Vereinigten  Staaten  vom  Standpunkte  seiner  Wohlfahrt  wie  vom
Standpunkte  seines  Ansehens  unentbehrlich  wäre,  und  das  sei  die  Flotte.
Die  Flotte  sei  die  sicherste  Gewähr  für  die  Aufrechterhaltung  des
Friedens  und  die  sicherste  Bürgschaft  gegen  den  Krieg.  Nichts  sei  unvorsichtiger,
  als  wohlhabend  und  unbewaffnet  zu  sein.  Und  der  Präsident
Roosevelt  fügte  hinzu,  die  amerikanische  Flotte  sei  entstanden  unter