Dezember  1905.  285

wenn  dieselbe  sozialdemokratische  Presse,  als  später  einige  deutsche
Handelsschiffe  versehentlich  von  russischen  Kriegsschiffen  aufgebracht
wurden,  trotz  der  augenscheinlichen  Bereitwilligkeit  der  russischen  Regierung,
  uns  sogleich  jede  wünschenswerte  Genugtunng  zu  geben,  doch  alles
in  Bewegung  setzte,  um  uns  in  einen  Krieg  mit  Rußland  hineinzutreiben,
der  den  Interessen  des  deutschen  Volkes  durchaus  nicht  entsprach,  wohl
aber  der  Sozialdemokratie  in  ihren  Parteikram  paßte.  Die  sozialdemokratische
  Presse  war  nur  logisch,  sie  war  konsequent,  sie  bewegte
sich  im  Rahmen  der  sozialdemokratischen  Doktrin  und  Tradition,  wenn
sie  uns  mit  Rußland  zu  verfeinden  suchte.  Aber  warum  bestritt  der
Führer  der  Sozialdemokratie  bei  der  Etatsdebatte  im  vorigen  Jahre,
daß  die  Sozialdemokratie  bemüht  ist,  unsere  Beziehungen  zu  Rußland
möglichst  zu  verschlechtern?  Warum  leugnete  er  mir  gegenüber  damals
Tatsachen,  die  sein  Freund,  Herr  Kautsky,  ganz  offen  zugibt?  Ich  gestehe,
  daß  mich  das  einigermaßen  skeptisch  macht  gegenüber  Versicherungen
  des  Führers  der  Sozialdemokratie,  wenn  sie  auch  noch  so  pathetisch
  abgegeben  werden.  Die  Wahrheit  ist:  die  Friedensversicherungen
  der  Sozialdemokratie  sind  Schaunschlägereien

(lebhafter  Beifall  —  große  Unruhe  bei  den  Sozialdemokraten),

ein  Paravent,  hinter  dem  sie  ihre  wirklichen  Absichten  verbirgt.
  Was  die  Sozialdemokratie  in  Wirklichkeit  will,  ist,
das  deutsche  Volk  zum  Land-knecht  ihrer  internationalen  Pläne

zu  machen
sehr  richtig!),

so  daß  es  sich  für  diese  internationalen  Pläne  verbluten
würde.

Während  in  dieser  Weise  die  deutsche  Sozialdemokratie  bemüht  ist,
überall  Mißtrauen  gegen  uns  zu  säen,  uns  nach  außen  zu  diskreditieren
und  zu  denunzieren,  während  das  offizielle  wissenschaftliche  Organ  der
Sozialdemokratie  erklärt,  die  Sozialdemokratie  verurteile  nicht  nur  nicht
den  Krieg,  sondern  sie  mißbillige  nicht  einmal  jeden  Angriffskrieg  —
verweigert  die  deutsche  Sozialdemokratie  dem  Vaterlande  die  Mittel,  die
es  zu  seiner  Verteidigung  bedarf.  Und  während  des  Sommers  erklärte
unter  dem  Beifall  sozialdemokratischer  Blätter  das  leitende  süddeutsche
sozialdemokratische  Preßorgan,  die  „Münchener  Post“,  den  Heldentod
auf  dem  Schlachtfeld,  den  Tod,  den  viele  Söhne  dieses  Landes  gestorben
sind,  den  Tod  von  Theodor  Körner  und  dem  Feldmarschall  Schwerin,
den  Tod,  den  noch  heute  mancher  Deutsche  drüben  in  Afrika  stirbt  —