Dezember  1905.  287

Wenn  diese  Außerung  wirklich  gefallen  ist,  wenn  der  Führer  der  deutschen
  Sozialdemokratie  es  wirklich  gern  sehen  würde,  daß  Deutschland
eine  Niederlage  erlitte,  eine  furchtbare  Niederlage,  daß  Blut  und
Tränen  über  das  Land  kämen,  nur  weil  die  Sozialdemokratie  glanbt,
daß  dadurch  ihr  Partelünteresse  gefördert  wird,  damit  sie  an  einem
solchen  das  deutsche  Vaterland  verheerenden  Brande  ihre  Parteisuppe
kochen  kann  —  so  fehlen  mir  wiederum  die  Worte,  um  eine  solche
Auffassungsweise  richtig  zu  kennzeichnen.

(Sehr  gut!  und  Bravol)

Die  deutsche  Sozialdemokratie  ist  fortgesetzt  bestrebt,  unser  Land,  gegen
das  sich  —  es  ist  vielleicht  der  einzige  Punkt,  worin  ich  dem  Herrn
Vorredner  recht  gebe  —  viel  Mißtrauen,  viel  Eifersucht  regt,  nach
außen  verhaßt  zu  machen.  Während  der  Marokkokrise  ist  nicht  das
leitende  Blatt,  aber  von  allen  sozialdemokratischen  Blättern,  soviel  ich
weiß,  dasjenige,  das  dem  Herrn  Vorredner  am  nächsten  steht,  die
„Leipziger  Volkszeitung“,  so  weit  gegangen,  in  einem  Artikel  dem
zuverlässigen  Vertrauen  Ausdruck  zu  geben,  daß  Frankreich  wegen
Marokko  bis  zum  äußersten  gehen  würde.

(Hörtl  hört!)

In  dieser  Korrespondenz  eines  deutschen  Blattes  hieß  es:
Es  besteht  nicht  der  geringste  Zweifel,  daß  die  britische  Flotte
und  die  enormen  Hilfsquellen  des  britischen  Reichs  den  Franzosen
zur  Verfügung  stehen  werden.  Es  wird  eine  der  schönsten  Zeiten
für  die  britischen  Kreuzer  sein,  den  deutschen  Handel  vom  Meer
zu  verjagen
(hört!  hörtl)

und  die  deutsche  Handelsmarine  als  gute  Prise  in  die  britischen
Häfen  zu  bringen.
(Hört!  hört!)

Man  merkt  ordentlich  dem  Schreiber  an,  welches  Vergnügen  ihm  diese
Aussicht  bereitet.
Hinzu  kommt  noch,  daß  Deutschland  vollkommen  isoliert  ist.

Delcassé  kann  es  sich  deshalb  gestatten,  auf  die  lärmende  deutsche
Diplomatie  mit  aller  Ruhe  und  logischen  Schärfe  zu  antworten.

Das  war  die  von  Herrn  Bebel  soeben  gerühmte  Unterstützung,  welche
uns  damals  von  sozialdemokratischer  Seite  zuteil  wurde.