288  32.  Answärtige  Beziehnngen  und  die  Sozialdemokratie.

Pikant  ist  übrigens  der  Eifer,  mit  welchem  sich  die  sozialdemo—
kratische  Presse  für  den  damaligen  französischen  Herrn  Minister  der
auswärtigen  Angelegenheiten  ins  Zeug  legte

(sehr  gut!  rechts),
den  die  französische  Sozialdemokratie  bekämpfte.  Natürlich  legte  sich  die

Sozialdemokratie  nur  deshalb  so  für  ihn  an  den  Laden,  weil  sie  in  ihm
einen  Feind  des  Deutschen  Reiches  sah.
(Sehr  gut.)
Mehr  als  einmal  habe  ich  in  französischen  Blättern  gelesen,  daß,  wenn
die  Sozialdemokratie  bei  uns  ans  Ruder  käme,  sie  unsere  westlichen
Grenzprovinzen  an  Frankreich  zurückgeben  würde.  Das  habe  ich  noch
vor  einiger  Zeit  in  der  „France  Militäre“  gesehen,  dem  angesehensten
französischen  militärischen  Wochenblatt.  In  einem  anderen  französischen
Blatt,  dem  „Rappel“,  habe  ich  gelesen,  daß  die  deutsche  Sozialdemokratie
  den  wichtigsten  Schlag  gegen  den  Frankfurter  Frieden  führen
würde.  Also  die  französischen  Revanchepolitiker  rechnen  für
die  Erfüllung  ihrer  Hoffnungen  auf  die  deutsche  Sozialdemokratie.
  Deshalb  pflegen  auch  im  Auslande  an  gewissen  Stellen
sozialdemokratische  Erfolge  so  große  Befriedigung  zu  erregen.  Das
geht  nicht  aus  besonderer  Sympathie  für  unsere  Sozialdemokratie  hervor
  —  in  der  Beziehung  bitte  ich  die  Herren,  sich  keine  Illusionen  zu
machen
(Heiterkeit)  —,
sondern  das  geht  hervor  aus  der  Ansicht,  daß  die  deutsche  Stellung  in
der  Welt  um  so  schwächer  wird,  je  stärker  die  Sozialdemokratie  in
Deutschland  wird.
(Sehr  wahr!  rechts.)

So  kann  es  denn  kommen,  daß  ein  englischer  Poet,  der  uns  gegenüber
  sehr  mißgünstig  ist,  Mr.  Kipling,  in  einem  Interview  mit  einem
Journalisten,  das  viele  der  Herren  gewiß  im  Sommer  gelesen  haben,
gleichzeitig  Partei  nahm  für  den  britischen  Imperialismus
und  für  die  deutsche  Sozialdemokratie

(große  Heiterkeit);
daß  er  den  britischen  Imperialismus  für  durchaus  berechtigt,  für  schön
und  gut  erklärte,  dagegen  über  die  bescheidenen  Bestrebungen  des  deutschen
  Volks,  auch  seine  überseeischen  Interessen  zu  entwickeln,  ungefähr
ebenso  abfällig,  ebenso  höhnisch  urteilte,  wie  dies  unsere  Sozialdemokratie
  zu  tun  pflegt.  So  kann  es  kommen,  daß  zwei  große,  aber  uns