290  32.  Auswärtige  Beziehungen  und  die  Sozialdemokratie.

Meine  Herren,  nun  hat  der  Herr  Vorredner  unsere  gegenwärtigen
Zustände  in  Deutschland  und  die  Zustände  vor  der  französischen  Revolution
  verglichen.  Ich  gestehe,  daß  mir  kaum  jemals  ein  hinkenderer
Vergleich  vorgekommen  ist.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Dort  in  Frankreich  vor  der  Revolution  Zwang,  Unfreiheit,  Leibeigenschaft
  —  hier  bei  uns  Verfassung,  Rechtsstaat,  allgemeines  Stimmrecht.

(Lachen  bei  den  Sozialdemokraten.)

—  Jawohl,  Rechtsstaat,  ein  wirklicher  Rechtsstaat,  wie  er  bei  Ihnen
ausgeschlossen  wäre,  wenn  Sie  das  Heft  in  der  Hand  hätten.

(Sehr  richtig!  rechts.  Widerspruch  bei  den  Sozialdemokraten.)

Damals  in  Frankreich  Frivolität  und  Fäulnis  —  bei  uns  im  großen
und  ganzen  gesunde  gute  Verhältnisse.  Verschonen  Sie  uns  mit  solchen
Vergleichen!  Und  seien  Sie  jedenfalls  überzeugt,  daß,  wenn  Sie  versuchen
  sollten,  einen  Bastillensturm  zu  unternehmen,  Ihnen  das  übel  bekommen
  würde.

(Bravo!  Lachen  bei  den  Sozialdemokraten.)

Ich  wiederhole  meinen  Rat:  gehen  Sie  nicht  von  Redensarten
zu  Taten  über.  Versuchen  Sie  es,  Sie  werden  sehen,  was
darnach  kommt.

(Lebhafter  Beifall.  —  Unruhe  bei  den  Sozialdemokraten.)

33.  Bekhämpfung  der  Sozialdemokralic.

Sitzung  des  Herrenhauses  vom  25.  Jannar  1906.1)

Im  Herrenhause  hatten  Graf  Fiuck  von  Finckenstein-Schönburg  und
Graf  zu  Eulenburg-Prassen  folgende  Interpellation  eingebracht:
„Erscheint  es  der  Staatsregierung  möglich,  die  vaterlandsfeindlichen
  Unternehmungen  der  Sozialdemokratie  mit  den  Mitteln  der
Gesetzgebung  erfolgreich  zu  bekämpfen?“

Nach  Begründung  dieser  Interpellation  durch  Graf  zu  Eulenburg-Prassen
beantwortete  sie

1)  Sten.  Ber.  d.  Verhandl.  d.  Herrenhauses  1905/06,  6.  Sitzung.