Februar  1906.  295

Erzeugnisse  wir  in  vielen  Artikeln  sehr  gut  anderweit  ersetzen  können.
(Sehr  richtig!  links.)

Vorteile  aus  einem  Zollkrieg  zwischen  uns  und  Amerika
würden  Dritte  ziehen,  für  deren  Nutzen  zu  arbeiten  wir  keine
Veranlassung  haben.

(Sehr  wahr!)

Meine  Herren,  man  konnte  im  Zweifel  darüber  sein,  welche  Dauer
diesem  Gesetzentwurf  zu  geben  sei.  Wenn  sich  die  verbündeten  Regierungen
  entschlossen  haben,  Ihnen  den  30.  Juni  1907  als  Endtermin
vorzuschlagen,  bis  zu  welchem  die  Vereinigten  Staaten  die  Zollsätze
unseres  Konventionaltarifs  statt  der  Sätze  unseres  Generaltarifs  gewährt
werden  dürfen,  so  sind  hierfür  gewichtige  Gründe  maßgebend  gewesen.
Eine  längere  Bemessung  dieser  Frist  könnte  den  Anschein  erwecken,  als
wenn  wir  mit  der  jetzigen  Regelung  einen  definitiven  Zustand  schaffen
wollten,  während  es  sich  doch  nur  um  ein  Provisorium  handelt.  Gegen
eine  kürzere  Bemessung  spricht  der  Umstand,  daß  die  schwierigen  Vertragsverhandlungen
  mit  Amerika  binnen  wenigen  Monaten  nicht  beendigt
  werden  können,  und  daß  eine  erneute  Verlängerung  der  Frist  in
hohem  Grade  unerwünscht  wäre.  Auch  müssen  wir  Rücksicht  auf  unsere
Industrie  nehmen,  die  nicht  der  Gefahr  ausgesetzt  werden  darf,  binnen
kurzem  wieder  vor  neuen  Verhältnissen  zu  stehen.  Das  würde  den
Abschluß  langfristiger  Lieferungsverträge  von  vornherein  unmöglich
machen.

Meine  Herren,  es  handelt  sich  bei  der  Vertagung  dieser  Entscheidung
nicht  um  eine  materielle  Lösung,  sondern  um  eine  Frage  des  zweckmäßigen
  Vorgehens.  Für  die  taktische  Behandlung  einer  Angelegenheit
von  internationalem  Charakter  müssen  die  Herren  uns  schon  etwas  freie
Hand  lassen  und  uns  Vertrauen  schenken.  Bei  Handelsvertragsverhandlungen
  liegen  die  Sachen  nicht  immer  ganz  einfach,  und  es  müssen
viele  Umstände  in  Berücksichtigung  genommen  werden.  Insbesondere  ist
bei  Handelsvertragsverhandlungen  oft  viel  Geduld  nötig.  Auch  bei  den
anderen  Handelsvertragsverhandlungen  ist  nicht  immer  alles  gleich  glatt
gegangen,  sondern  wir  haben,  wie  Sie  sich  erinnern,  mehrfach  unterbrechen
  und  vertagen  müssen,  bis  ein  endgültiges  Ergebnis  vorlag;  so  bei
Rußland,  bei  Osterreich-Ungarn  und  auch  bei  anderen  Staaten.  Diese
Unterbrechungen  und  Vertagungen  trafen  aber  in  eine  Zeit,  wo  der
Zeitpunkt  des  Inkrafttretens  unseres  neuen  Tarifs  noch  nicht  bestimmt
war,  und  sind  deshalb  vor  der  großen  Offentlichkeit  ziemlich  unbemerkt  vor-