296  34.  Handelsbeziehungen  zu  Nordamerika.

übergegangen.  Bei  den  Vereinigten  Staaten  ist  der  Unterschied,  daß  uns
nur  noch  wenige  Tage  von  dem  1.  März  trennen,  wo  unser  neuer  Zolltarif
  in  Kraft  treten  wird.  Deshalb  sind  wir  genötigt,  uns  an  dieses
Hohe  Haus  zu  wenden,  welches  durch  die  Bewilligung  dieses  Gesetzentwurfs
  uns  die  Möglichkeit  gewähren  soll,  zu  versuchen,  mit  den  Vereinigten
  Staaten  doch  noch  im  guten  zu  einer  Verständigung  zu  gelangen.

Daß  auch  bei  der  Regierung  der  Vereinigten  Staaten  der  Wunsch
besteht,  freundschaftliche  wirtschaftspolitische  Beziehungen  zu  uns  zu  erhalten,
  geht  auch  aus  einer  Note  hervor,  welche,  wie  der  Kaiserliche
Botschafter  in  Washington  vorgestern  gemeldet  hat,  der  Staatssekretär
Root  an  ihn  gerichtet  habe.  In  dieser  Note  ist  gesagt,  daß,  sobald  den
Vereinigten  Staaten  die  ermäßigten  Zollsätze  bis  zum  30.  Juni  1907
zugesichert  seien,  der  Präsident  unverzüglich  die  erforderliche  Proklamation
erlassen  werde,  um  Deutschland  den  Fortgenuß  der  bisherigen  Zollermäßigungen
  der  Sektion  III  des  Dingleytarifs  sicherzustellen.  Er  hoffe,
daß  seine  Mitteilung,  nach  welcher  gewisse  Abänderungen  des  Zollverwaltungsgesetzes
  und  der  Ausführungsbestimmungen  in  Aussicht  genommen
  sind,  von  uns  als  ein  Beweis  für  den  ernstlichen  Wunsch  des
Präsidenten  angesehen  werde,  die  amerikanische  Zollverwaltung  von  allem
zu  befreien,  was  den  deutschen  Exporteuren  irgendwie  das  Aussehen  von
Härten  zu  haben  scheine.  Er  hoffe  ferner,  daß  während  des  Zeitraumes
bis  zum  30.  Juni  1907  ein  passender  Weg  werde  gefunden  werden,  um
eine  dauernde  Grundlage  für  den  wechselseitigen  Handel  beider  Länder
zu  schaffen  unter  Bedingungen,  die  für  beide  Teile  befriedigend  und
vorteilhaft  seien.  Der  Staatssekretär  Root  gibt  schließlich  in  dieser  Note
der  Zuversicht  Ausdruck,  daß  bei  Fortdauer  der  bisherigen  freundschaftlichen
  Haltung  auf  beiden  Seiten  man  zu  einem  Abschluß  gelangen
werde,  der  mit  dem  von  beiden  Teilen  gehegten  lebhaften  Wunsche  nach
wahrer  Freundschaft  zwischen  dem  deutschen  und  amerikanischen  Volke
im  Einklang  stehe.  So  weit  die  amerikanische  Note.

Meine  Herren,  bei  der  Wichtigkeit  unserer  Handelsbeziehungen  zu
den  Vereinigten  Staaten  haben  die  verbündeten  Regierungen  es  jedenfalls
für  ihre  Pflicht  gehalten,  alle  Mittel  zu  erschöpfen,  welche  eine
versöhnliche  Regelung  herbeizuführen  geeignet  sind,  und  sie
hoffen,  daß  dieses  Hohe  Haus  diesen  Gesichtspunkten  Rechnung  tragen
wird.