306  37.  Internationale  Lage.

Meine  Herren,  es  war  ein  ziemlich  schwieriger  Berg,  den  wir  zu
ersteigen  hatten.  Manche  Ubergänge  waren  nicht  ohne  Gefahr.  Eine
Zeit  der  Mühe  und  Unruhe  liegt  hinter  uns.  Ich  glaube,  daß  wir
jetzt  mit  mehr  Ruhe  ins  Weite  blicken  dürfen.  Die  Konferenz  von
Algeciras  hat,  wie  ich  glaube,  ein  für  Deutschland  und  Frankreich
  gleich  befriedigendes,  für  alle  Kulturländer  nützliches
Ergebnis  geliefert.

(Lebhafter  Beifall.)

37.  Internationale  Lage.
Sitzung  des  Reichstages  vom  11.  November  1906.1)

Iu  der  Reichstagssitzung  vom  5.  April  war  der  Reichskanzler,  der  in  den
vorangegangenen  Wochen  an  Influenza  zu  leiden  gehabt  hatte,  ohne  sich  Schonung
aufzuerlegen,  während  der  an  seine  Rede  anknüpfenden  Diskussion  von  einer
schweren  Ohnmacht  betroffen  worden.  Für  den  Rest  der  Session  mußte  er  sich  die
Teilnahme  an  den  parlamentarischen  Geschäften  versagen,  was  nicht  ohne  Wirkung
auf  wichtige  Entscheidungen  blieb.  Ein  längerer  Aufenthalt  auf  Norderney  und
in  Homburg  v.  d.  H.,  wo  dem  Fürsten  das  Kaiserliche  Schloß  zur  Verfügung  gestellt
worden  war,  stellte  den  Reichskanzler  völlig  wieder  her.  Als  der  Reichstag  am
13.  November  seine  Sitzungen  wieder  aufnahm,  fand  er  den  Fürsten  Bülow  in
alter  Kraft  an  seinem  Platze.

In  der  Sitzung  vom  14.  November  kam  eine  Interpellation  des  Abgeordneten
Bassermann  zur  Verhandlung,  die  folgenden  Wortlant  hatte:

„Ist  der  Herr  Reichskanzler  bereit,  Auskunft  zu  geben  über
unsere  Beziehungen  zu  den  übrigen  Mächten  und  sich  über  die
Besorgnisse  zu  äußern,  welche  in  vielen  Kreisen  unsers  Volkes
wegen  der  internationalen  Lage  bestehen?“

Der  Reichskanzler  beantwortete  die  vom  Interpellauten  mit  längerer  Rede
begründete  Anfrage  folgendermaßen.

Reichskanzler  Fürst  von  Bülow:

Meine  Herren,  bevor  ich  mich  sachlichen  Ausführungen  zuwende,
möchte  ich  auch  von  dieser  Stelle  meinem  Dank  Ausdruck  geben,  und
nicht  nur  für  die  vielen  freundlichen  Beweise  von  persönlichem  Wohlwollen
  und  persönlicher  Sympathie,  die  mir  während  meiner  Erkrankung

—.

1)  Sten.  Ber.  d.  R.-T.,  11.  Leg.-Per.,  II.  Session  1905  06,  117.  Sitzung.