208  37.  Internationale  Lage:  Frankreich.
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die  Knie  gesunken,  ich  habe  ihm  gesagt:  erhebe  dich  und  vorwärts.“
La  France  était  tombee  à  genoux.  je  lui  ai  dit:  debout  et  marche!
„Wer  in  solchen  Augenblicken  Frankreich  regiert,“  fügte  Gambetta  gegen
mich  hinzu,  „hat  das  Gefühl,  ein  Thermometer  in  der  Hand  zu  halten;
ein  Druck  der  Hand  läßt  das  QOrurecksilber  steigen  oder  fallen.  Ich
solchen  Momenten,  in  großen  Momenten,  kann  man  alles  mit  Frankreich
  machen!"  —  „Dans  ces  moments,  dans  les  grands  moments,  on
peut  tont  faire  de  la  Francel“  Als  mir  Gambetta  das  sagte,  dachte
ich  junger  Mensch  mir  innerlich:  „Möchte,  wenn  je  ein  gleiches  Schicksal
über  das  deutsche  Volk  käme,  wie  damals  über  das  französische  Kaiserreich,
  die  Nation  Männer  finden,  die  mit  gleichem  unbengsamen  Patriotismus
  weiter  fechten  bis  zum  bittersten  Ende!“

Ich  möchte  hierbei  bemerken,  daß  es  gerade  diese  Lebhaftigkeit  des
französischen  Patriotismus,  der  starke  und  hochgespannte  nationale  Ehrgeiz
  des  französischen  Volkes,  also  traditionelle  und  glänzende  Eigenschaften
  unserer  temperamentvollen  Nachbarn  sind,  die  uns  nötigen,  militärisch
  en  vedette  zu  sein,  um  nicht  nur  das  verlorene  Gut  an  den
Vogesen  zu  wahren,  das  mit  Strömen  deutschen  Blutes  wieder  erworben
wurde,  sondern  auch  die  endlich,  so  spät  und  so  mühsam  errungene
Einheit  der  Nation,  unsere  endlich  wiedererworbene  Machtstellung  und
Weltstellung!

Ich  vergesse  niemals  das  Wort,  das  mir  einmal  ein  geistvoller
französischer  Diplomat  und  Historiker,  Rothan  sagte:  „La  paix  de  Westphalie,
  qui  a  fait  la  France  et  défait  [Allemagne“  —  „der  Westfälische
Frieden,  der  Frankreich  gemacht  und  Deutschland  aufgelöst  hat“.  Ich
überlasse  es  unseren  Historikern,  ich  überlasse  es  jedem  denkenden  Deutschen,
hieraus  die  nötigen  Schlüsse  zu  ziehen.  Frankreich  war  ein  in  sich
gefestigtes  und  geschlossenes  Reich,  als  Deutschland  und
Italien  noch  geographische  Begriffe  waren,  ein  festes  Stück
Marmor  zwischen  zwei  lose  gefügten  Mosaikplatten.  Daß  bei
jedem  oder  fast  bei  jedem  Zusammenstoß  mit  einem  dieser  beiden  Nachbarn,
  sofern  dieser  nicht  von  dritter  Seite  Hilfe  erhielt,  Frankreich  sich
als  stärker  erwies,  war  eine  Art  von  Naturnotwendigkeit.  Die  Leiter
der  französischen  Politik  von  Richelien  bis  zu  Napoleon  III.  sind  sich
auch  nicht  im  Zweifel  gewesen  über  den  Kansalzusammenhang,  der
zwischen  diesem  politischen  Ubergewicht  Frankreichs  —  „la  prépondérance
lIgitime  de  la  France-,  wie  es  die  Franzosen  nannten  —  und  der  politischen
  Zerrissenheit  in  den  beiden  Nachbarländern  bestand.  Daß  er  den
deutschen  und  den  italienischen  Einigungsprozeß  nicht  aufzuhalten  ver-