November  1906.  311

Druck  und  Gegendruck  können  schließlich  Explosionen  hervorgehen.


(Sehr  richtig!  und  Heiterkeit.)
Deshalb  ist  es  besonders  erfreulich,  daß  gerade  französische  Blätter  den
Gedanken  ausgesprochen  haben,  ein  gutes  Verhältnis  zwischen  Deutschland
und  England  sei  notwendig  für  die  Erhaltung  des  europäischen  Friedens
und  entspreche  deshalb  auch  den  französischen  Interessen.

Zwischen  Deutschland  und  England  steht  kein  unnützes
Erinnern,  zwischen  Deutschland  und  England  bestehen  auch
keine  tieferen  politischen  Gegensätze.  Es  hat  Verstimmungen
zwischen  beiden  Völkern  gegeben,  unpraktische  und  unverständige  Verstimmungen,
  an  denen,  wie  gewöhnlich  im  Leben,  beide  Teile  ungefähr
gleichviel  Schuld  hatten,  aber  keine  feindseligen  Taten.  In  geistiger  Beziehung,
  in  Kunst  und  Wissenschaft,  stehen  beide  Völker  sich  nahe.
Shakespeare  und  Darwin  gehören  uns,  wie  Goethe  und  Kant  auch  den
Engländern  gehören.  Mit  Recht  hat  man  von  einer  geistigen  Verwandtschaft
  zwischen  beiden  Völkern  gesprochen.  Auf  wirtschaftlichem  Gebiete
sind  wir  aufeinander  angewiesen;  der  internationale  Verkehr  besteht  nun
einmal  im  Geben  und  Nehmen.  Gewiß  ist  zwischen  Deutschland
und  England  auf  wirtschaftlichem  Gebiet  auch  Konkurrenz  und
Rivalität  vorhanden.  Solche  Rivalität  und  Konkurrenz
braucht  aber  keine  politischen  Gegensätze,  geschweige  denn  einen
Krieg  hervorzurufen.  Wir  haben  solche  Rivalität  mit  Osterreich-Ungarn
  und  Italien,  ohne  daß  unsere  Beziehungen  zwischen  diesen
Mächten  dadurch  ernstlich  geschädigt  würden.  England  hat  sie  mit
Amerika  und  Japan,  ohne  daß  die  Beziehungen  zwischen  diesen  Ländern
darunter  litten.  Deutschland  und  England  sind  sich  gegenseitig  gute
Kunden,  sogar  so  gute  Kunden,  daß  jedes  von  beiden  ein  Interesse
daran  hat,  sich  den  andern  als  Kunden  zu  erhalten.  Schon  deshalb  sollten
die  verständigen  Leute  in  beiden  Ländern  tun,  was  in  ihren  Kräften
steht,  um  Mißverständnisse  zu  beseitigen  und  das  gegenseitige  Verständnis
zu  fördern.

In  diesem  Zusammenhange  möchte  auch  ich  meine  Befriedigung
aussprechen  über  die  freundliche  Aufnahme,  welche  die  Bürgermeister
und  Stadtverordneten  deutscher  Gemeinden  in  England  gefunden  haben

(bravo!  links),

und  über  die  Worte,  die  bei  dieser  Gelegenheit  in  London  gefallen  sind.
(Erneutes  Bravo  links.)