312  37.  Internationale  Lage:  England.

Ich  glaube,  daß  ein  solches  Sichnähertreten  von  Volk  zu  Volk,  von
Mensch  zu  Mensch  nützlich  und  notwendig  ist.

(Sehr  richtig!  links.)
Ich  glaube,  daß  der  geehrte  Herr  Abgeordnete  Bassermann  hierüber
sich  etwas  zu  skeptisch  ausgelassen  hat

(sehr  richtig!  links);

ich  halte  ein  solches  Anknüpfen  persönlicher  Beziehungen  für  nützlich  und
notwendig.
(Ernente  Zustimmung  links.)

Auch  von  dem  Besuche  unserer  Journalisten  in  England  —  der
geehrte  Herr  Antragsteller  möge  mir  erlauben,  ihm  das  zu  sagen  —  erwarte
ich  nützliche  Folgen.  Ich  hoffe,  daß  die  Publizisten  beider  Länder  sich
nicht  nur  als  Menschen,  sondern  auch  als  Gentlemen  kennen  gelernt
haben,  und  daß  sie  bei  aller  Uberzeugungstreue  und  bei  allem  Patriotismus
  in  ihrer  Polemik  doch  künftig  Gehässigkeiten  und  mala  fides  vermeiden
  werden.  Ich  hoffe,  sie  werden  sich  vor  Augen  halten,  daß,  wenn
man  niemanden  zur  Liebe  zwingen  kann,  doch  jedes  der  beiden  Völker
vollen  Anspruch  auf  die  Achtung  des  anderen  hat.

(Sehr  richtig!  links.)

Und  wenn  gerade  auf  publizistischem  Gebiet  in  der  Vergangenheit  hüben
und  drüben  gesündigt  worden  ist,  so  möge  von  jetzt  an  die  deutsche
und  die  englische  Presse  zeigen,  daß  sie  der  Lanze  des  Achilleus
  gleicht,  welche  die  Wunden  zu  heilen  vermochte,  die  sie
geschlagen  hatte.  Es  gibt  ja  keinen  vernünftigen  Menschen  in
Deutschland,  der  nicht  aufrichtig  ruhige  Beziehungen  zu  England  wünscht
auf  der  Basis  beiderseitiger  Loyalität.  In  einem  Artikel,  den  in  einem
deutsch-englischen  Blatt  ein  deutscher  Publizist  veröffentlicht  hat,  der  vor
einigen  Jahren  in  der  vordersten  Reihe  unserer  Burenfreunde  stand,
habe  ich  die  zutreffende  Bemerkung  gefunden,  es  sei  nicht  Haß  gegen
England  gewesen,  was  seinerzeit  bei  uns  die  lebhafte  Begeisterung  für
das  Burenvolk  entfacht  habe,  denn  von  einem  solchen  Haß  sei  auch  damals
  nicht  die  Rede  gewesen;  die  deutsche  Burenbegeisterung  jener  Tage
sei  zurückzuführen  auf  germanischen  Idealismus  und  deutsche  Romantik.
Das  ist  vollkommen  richtig,  das  sage  ich,  der  ich  damals  diese  Romantik
und  diesen  Idealismus,  diese  tiefgewurzelte  Neigung  unseres  Volkes,
politische  Angelegenheiten  als  Gemüts=  und  Herzensfragen  zu  behandeln,
bekämpft  habe  und  bekämpfen  mußte.  Zu  meinem  Bedanern  lese  ich