324  37.  Internationale  Lage:  Amerika.

gesprochen  vor  dem  englisch-japanischen  Bündnis.  Wir  hatten  und
haben  in  Ostasien  nur  wirtschaftliche  Ziele,  deren  Erreichung  im  wesent—
lichen  abhängig  ist  von  der  Aufrechterhaltung  des  Friedens,  der  Integrität
von  China  und  des  Prinzips  der  offenen  Tür.  Diese  Ziele,  die  zu
verfolgen  wir  gerade  so  berechtigt  sind  wie  alle  übrigen  in  Ostasien
interessierten  Völker,  werden  wir  auch  weiter  im  Auge  behalten.  Ich
frene  mich,  sagen  zu  können,  daß  die  Haltung  der  chinesischen  Regierung
uns  gegenwärtig  keinen  Anlaß  zu  Klagen  gibt,  daß  unser  Handel  seine
Stellung  neben  dem  Handel  der  anderen  dort  interessierten  Völker  behauptet,
  und  daß  wir  an  eine  weitere  ruhige  Entwicklung  des  chinesischen.
Reiches  glauben  zum  Besten  von  China  selbst,  zum  Besten  des  internationalen
  Handels  und  friedlicher  Beziehungen  zwischen  allen  handeltreibenden
  Völkern.

Was  unser  Verhältnis  zu  Amerika  angeht,  so  bin  ich  gewiß,
daß  die  große  Mehrheit  dieses  Hohen  Hauses  mir  recht  geben  wird,
wenn  ich  sage,  daß  Deutschland  und  Amerika  zu  den  Völkern  gehören,
die  aus  natürlichen  wie  aus  historischen  Gründen  auf  ein  gutes  gegenseitiges
  Verhältnis  hingewiesen  werden.  Die  Grenzen  beider  Länder
berühren  sich  nicht,  ihre  politischen  Interessen  stoßen  nirgends  feindlich
aufeinander.  Um  die  wirtschaftlichen  Interessen  auszugleichen,  ist  natürlich
  beiderseitiges  Entgegenkommen  und  gegenseitige  Nachgiebigkeit  erforderlich.
  Wo  diese  beiden  Voraussetzungen  eintreffen,  erscheint  ein
solcher  Ausgleich  nicht  unmöglich.  Ich  möchte  bei  dieser  Gelegenheit
sagen  —  denn  man  muß  es  niemals  vergessen,  man  soll  es  niemals
vergessen  —:  wenn  in  einem  kritischen  Augenblick  einer  für  einen  gut
war,  das  soll  man  weder  im  politischen  noch  im  privaten  Leben  vergessen.
  Das  „étonner  le  monde  par  son  ingratitude’  des  Fürsten
Schwarzenberg  war  ein  politischer  Fehler.  Also  ich  sage:  wir  haben
Grund,  Amerika  dankbar  zu  sein  für  seine  Haltung  auf  der
Konferenz  von  Algeeiras.  Anmerika  hat  sich,  dem  geringen  Maße
seiner  Interessen  entsprechend,  dort  mehr  zurückgehalten,  es  hat  eine
durchaus  unparteiische  Haltung  beobachtet;  aber  sein  ausgezeichneter  und
von  allen  Teilen  gleich  hochgeachteter  Vertreter,  Mr.  White,  hat  keine
Gelegenheit  vorübergehen  lassen,  um  zu  einem  Aunsgleich  der  Gegensätze
beizutragen  und  einen  für  alle  Beteiligten  ehrenvollen  Ausgleich  herbeizuführen.
  Das  war  ein  großer  Dienst,  den  Amerika  dem  Weltfrieden
geleistet  hat;  denn  ein  Scheitern  der  Konferenz  von  Algeciras  hätte  nicht
nur  in  die  Beziehungen  zwischen  Deutschland  und  Frankreich,  sondern
auch  in  die  allgemeine  Weltlage  und  allgemeine  Weltpolitik  ein  irritie-