November  1906.  325

rendes  und  beunruhigendes  Element  getragen.  Das  war  der  zweite
Dienst,  der  zweite  große  Dienst,  den  Amerika  dem  Weltfrieden
geleistet  hat;  der  erste  Dienst  war  die  Wiederherstellung  des  Friedens
zwischen  Japan  und  Rußland.

Meine  Herren,  bei  diesem  Anlaß  möchte  ich  mir  eine  sehr  kurze
Bemerkung  pro  domo  mea  gestatten.  Ich  höre  und  lese  so  oft,  ich  sei
durch  den  Ausbruch  des  russisch-japanischen  Krieges  überrascht  worden.
Wenn  sich  einmal  die  Archive  unserer  Zeit  öffnen  werden  —  selbst
werde  ich  keine  Denkwürdigkeiten  hinterlassen

(Heiterkeit  und  Bravol)  —

also  ich  sage:  wenn  sich  einmal  die  Archive  unserer  Zeit  öffnen  werden,
werden  diese  Behauptungen,  ich  sei  durch  den  Ausbruch  des  russischjapanischen
  Krieges  überrascht  worden,  bei  den  Historikern  große  Heiterkeit
  erwecken.  Ich  wußte  ganz  genau,  wie  die  Dinge  lagen.  Ich  habe,
soweit  dies  in  unserer  Macht  stand  und  für  den  Unbeteiligten  zulässig
war,  in  Japan  zum  Frieden  geraten.  Ich  habe  der  russischen  Regierung
  keinen  Zweifel  darüber  gelassen,  daß  die  japanische  Regierung
unter  gewissen  Voraussetzungen,  wenn  ihr  nicht  bestimmte  Zusagen
gemacht  und  Bürgschaften  geboten  würden,  zum  Kriege  entschlossen  und
daß  das  japanische  Volk  für  diesen  Krieg  hervorragend  vorbereitet  und
gerüstet  sei.  Weiter  konnte  ich  als  Unparteiischer  nicht  gehen,  und  das,
was  ich  auf  vertraulichstem  Wege  erfahren  hatte,  jedem  aufzubinden,
jedem  Herrn  von  der  Börse,  jedem  Herrn  von  der  Presse  —  meine
Herren,  ich  tue  der  Presse  gern  einmal  einen  Gefallen
(Heiterkeit)  —,

das  ging  wirklich  nicht!

Da  ich  nun  einmal  auf  einen  mir  persönlich  gemachten  Vorwurf
eingegangen  bin,  so  möchte  ich  zu  meiner  Verteidigung  noch  etwas
anderes  sagen.  Es  heißt  oft,  ich  sei  dem  Auslande  gegenüber  zu
liebenswürdig.  Von  der  anderen  Seite  heißt  es  freilich  im  Auslande
und  sogar  im  Inlande,  daß  ich  durch  meine  Politik  das  Ausland
provoziere.  Das  ist  wieder  einmal  ein  Terrain,  meine  Herren,  wo  ich
die  mittlere  Linie  halte,  welche  die  verständige  zu  sein  pflegt.  Wenn
man  mir  übertriebene  Liebenswürdigkeit  dem  Anslande  gegenüber  vorwirft,
  so  scheint  man  anzunehmen,  daß  ich  die  Urbanität,  deren  ich  mich
als  Mensch  und  im  persönlichen  Verkehr  allerdings  gern  befleißige,  meiner
politischen  Tätigkeit  als  einzige  Richtschnur  unterlege.  Das  ist  ein
Irrtum.  Man  scheint  sich  ferner  nicht  gegenwärtig  zu  halten,  daß