November  1906.  333

Ich  glaube,  es  würde  mir  gehen  wie  dem  Müller,  der  nicht  mehr
schlafen  konnte,  als  die  Mühle  aufhörte  zu  klappern.
(Heiterkeit.)
Die  Kritik  hat  das  Gute,  daß  sie  zur  Selbstprüfung  zwingt  und  der
Selbstgefälligkeit  ein  Ende  macht,  die  ein  Fehler  ist  und  eine  Klippe  für
ein  Volk,  wie  für  den  einzelnen,  für  jeden  von  uns.  Aber  ohne  ausreichende
  Kenntnis  der  verwickelten  internationalen  Beziehungen  und  der
wirklichen  Weltlage,  ohne  ausreichenden  Uberblick  über  das  komplizierte
europäische  Schachbrett,  wie  das  vielfach  geschieht,  mit  nervöser,  tendenziöser,
  hysterischer  Kritik  einzugreifen  in  die  Speichen  des  Rades  der
auswärtigen  Politik,  das  lähmt  die  Aktion  des  Landes  nach  außen  und
schädigt  den  Kredit  des  Landes.  Der  Kredit,  den  ein  Land  im  Auslande
  besitzt,  muß  geschont  werden:  ihn  ohne  Not  zu  erschüttern,  schädigt
nicht  nur  unser  Ansehen,  sondern  tut  auch  unserm  Volk  unrecht.
Deutschland,  meine  Herren,  branucht  sich  vor  der  Isolierung

gar  nicht  so  sehr  zu  fürchten.  Wären  wir  wirklich  isoliert  —  wir
sind  es  nicht;  aber  nehmen  wir  den  Fall  an  —,  so  branchten  wir  auch
noch  nicht  zu  flennen  wie  ein  einsames  Kind  im  Walde,

(Sehr  richtig!  rechts.)
Ein  Volk  von  60  Millionen  mit  einem  Heer  wie  das  deutsche
ist  niemals  isoliert,  solange  es  sich  selbst  treu  bleibt,  solange
es  sich  nicht  selbst  aufgibt.

(Sehr  wahr!  sehr  richtig!  rechts.)
Wir  haben  es  gar  nicht  nötig,  irgend  jemand  nachzulaufen
(bravo!  und  sehr  richtig!  rechts),

den  anderen  gegenüber  entgegenkommender  zu  sein  als  diese  uns  gegenüber.

(Sehr  richtig!  rechts.)
Das  wäre  nicht  würdig,  das  wäre  nicht  einmal  klug.

(Sehr  richtig!  rechts.)
Solange  wir  unser  Schwert  scharf  halten,  sind  wir  auch  in  der  Lage,  uns
unseren  Freunden  nützlich  und  unseren  Feinden  unangenehm  zu  machen.
Der  Dreibund  besteht,  und  unsere  Beziehungen  zu  anderen  Mächten
werden  auch  weiter  der  Gegenstand  unserer  ruhigen  und  besonnenen
Aufmerksamkeit  bleiben.

Ich  warne  auch  in  dieser  Beziehung  vor  Nervosität.  Wir  sind
in  Deutschland  allzu  nervös  geworden,  rechts  und  links,  unten  wie  oben.
(Zuruf  links.)