334  37.  Juternationale  Lage:  Isolierung.

—  Das  sage  ich  ja:  oben  wie  unten!
Geiterkeit.)

Es  ist  gut,  meine  Herren,  alle  Wetterzeichen  der  auswärtigen  Politik  zu
beobachten  und  namentlich  jedes  Wetterleuchten;  aber  vor  jedem  Stirnrunzeln
  des  Auslandes  zu  erbeben,  ist  nicht  die  Art  großer  Völker,  und
wir  wollen  und  sollen  ein  großes  Volk  sein.

(Bravo!  rechts,  in  der  Mitte  und  bei  den  Nationalliberalen.)

Ein  Volk  darf  nicht  klein  von  sich  denken.  Es  ist  unsere  Pflicht,  durch
eine  friedliche  und  gerechte  auswärtige  Politik  uns  Vertrauen  und  Sympathien
  zu  erwecken.  Aber  allen  Haß  und  jeden  Neid  zu  entwaffnen,
ist  weder  dem  einzelnen  noch  einem  Volke  möglich.  Neid  ist  süßer  als
Mitleid.

Wir  haben  uns  mehr  als  einmal  in  Situationen  befunden,
wo  die  Gefahr  einer  allgemeinen  Gruppierung  gegen  uns
näher  lag  als  heute.  In  seiner  unsterblichen  Rede  vom  6.  Februar
1888  hat  Fürst  Bismarck  dargelegt,  daß  während  der  ersten  Hälfte  des
vorigen  Jahrhunderts  das  Bestehen  von  Koalitionen  und  eine  daraus
resultierende  Kriegsgefahr  in  Europa  der  beinahe  normale  Zustand  war,
und  daß  es  von  seiten  unserer  auch  d  amals  viel  geschmähten  Diplomatie
eines  nicht  geringen  Grades  von  Umsicht  und  Geschicklichkeit  bedurfte,
um  zu  verhindern,  daß  Preußen  im  Widerspruch  mit  seinen  Interessen
und  gegen  die  Absicht  seiner  Leiter  in  fremde  Streitigkeiten  verwickelt
wurde.  Er  hat  dargelegt,  wie  oft  nicht  nur  in  den  Tagen  des  Großen
Kurfürsten  und  des  Großen  Königs,  sondern  auch  in  jener  verhältnismäßig
  stillen  Zeit  der  Heiligen  Allianz  und  des  Frankfurter  Bundestages,
wo,  um  mit  Heine  zu  reden,  Deutschland  sanft  schnarchte  in  der  Hut
von  36  Monarchen,  die  Gefahr  einer  Isolierung  für  uns  bestand.  Und
ich  brauche  die  Herren  nicht  daran  zu  erinnern,  daß  auch  in  jener  großen
und  unvergeßlichen,  von  dem  Herrn  Abgeordneten  Bassermann  mit  Recht
gerühmten  Zeit,  wo  ein  durch  ein  langes  Leben  und  frühzeitige  schwere
Erfahrungen,  die  ihn  für  das  ganze  Leben  Maßhalten  als  höchste  Weisheit
  gelehrt  hatten,  durch  strenge  Selbstzucht  gereifter  Monarch  an  der
Spitze  stand,  wo  einer  der  größten  Staatsmänner  aller  Zeiten  unsere
Politik  lenkte,  die  Gefahr  von  Koalitionen  gegen  Deutschland  vorhanden
war.  Tiefe  Verstimmungen  haben  damals  zwischen  uns  und  Rußland,
zwischen  uns  und  England  stattgefunden  Als  ich  im  Sommer  1884
als  Geschäftsträger  von  Paris  nach  Petersburg  geschickt  wurde  und  mich