344  37.  Kamarilla.  —  38.  Koloniale  Angelegenheiten.

Ich  habe  Sie  auch  noch  nicht  unterbrochen,  wenn  Sie  das  Wort  hatten!
—  Ich  sage  also:  man  hat  nie  versucht,  diese  häßliche  Giftpflanze  bei  uns
einzupflanzen  ohne  großen  Schaden  für  die  Fürsten  und  ohne  großen
Schaden  für  das  Volk.
(Sehr  richtig!)
Unser  Kaiser  ist  aber  ein  viel  zu  grader  Charakter  und  er  ist  ein  zu
klarer  Kopf,  als  daß  er  sich  in  politischen  Dingen  anderswo  Rats  er—
holen  sollte  als  bei  seinem  eigenen  Pflichtgefühl  und  bei  seinen  berufenen
Ratgebern.  Und  deshalb  richte  ich  an  die  verehrten  Herren  die  Bitte:
lassen  Sie  unbegründetes  Mißtrauen  fahren  und  vereinigen  Sie  sich  auch
in  diesem  Winter  mit  den  Verbündeten  Regierungen  zu  fruchtbringender
und  ersprießlicher  Arbeit!
(Lebhafter  Beifall.)

33.  Koloniale  Angelegenheiten.
Sitzung  des  Reichstags  vom  28.  November  1906.1)

Die  Mißstände  in  der  Kolonialverwaltung,  die  sich  besonders  nach  dem  Ausbruch
  des  Aufstandes  in  Südwestafrika  geltend  gemacht  hatten,  waren  während
des  ganzen  Sommers  in  der  Presse  erörtert  worden.  Das  Material  zu  diesen
Erörterungen  war  im  wesentlichen  durch  einige  ungetreue  Subalternbeamte  der
kolonialen  Verwaltung  den  oppositionellen  Zeitungen  zugetragen  worden.  An  der
sogenannten  Enthüllungskampagne  beteiligten  sich  auch  teils  persönlich,  teils  als
stille  Förderer  einige  Reichstagsabgeordnete  des  Zentrums.  Die  Reichsregierung
war  eifrig  dabei,  die  zutage  getretenen  tatsächlichen  Mißstände  durch  eine  gründliche
Aufräumungsarbeit  zu  beseitigen.  Der  Reichskanzler  hatte  von  seinem  festen
Willen,  in  dieser  Richtung  nichts  ungetan  zu  lassen,  mehrfache  Beweise  gegeben.
Zu  den  durch  die  Ereignisse  notwendig  gewordenen  Maßregelu  gehörte  auch  der
Wechfel  an  der  Spitze  der  Kolonialabteilung.  Die  Wahl  war  auf  den  Bankdirektor
  Deruburg  gefallen.  Ihn  führte  der  Reichskanzler  mit  folgender  Rede
parlamentarisch  ein.

Reichskanzler  Fürst  von  Bülow:

Meine  Herren,  ich  benutze  die  erste  mir  gebotene  Gelegenheit,  um
mich  vor  diesem  Hohen  Hause  über  unsere  kolonialen  Angelegenheiten
auszusprechen.  Ich  bin  gewiß,  keinem  Widerspruch  zu  begegnen,  wenn
ich  sage,  daß  wir  auf  diesem  Gebiet  eine  ernste  Krisis  durchmachen.
Unsere  Kolonien  haben  uns  die  schwersten  Opfer  auferlegt,  Opfer  an

1)  Sten.  Ber.  d.  R.-T.,  11.  Leg.-Per.,  II.  Session  1905  06,  128.  Sitzung.