November  191866.  317

sondern  aus  reiflicher  Abwägung  der  wirtschaftlichen  und  politischen  Notwendigkeiten,
  unserer  wirtschaftlichen  und  politischen  Machtmittel.

Meine  Herren,  in  der  Uberzeugung,  daß  der  damals  vom
Fürsten  Bismarck  betretene  Weg  der  richtige  ist,  daß  wir  auf
diesem  Wege  bleiben  müssen,  und  vor  allem,  daß  wir  das
erworbene  Land,  das  unter  unserem  Schutze  steht,  uns  erhalten
müssen,  können  und  werden  wir  uns  nicht  abbringen  lassen,
auch  wenn  zurzeit  Nöte  und  Sorgen  mit  diesen  Erwerbungen
verknüpft  sind.

Wir  befinden  uns  in  einer  Krisis;  aber  diese  Krisis  wird
hoffentlich  zu  einer  Gesundung  führen.  Zu  dieser  Gesundung
genügt  nicht  die  Niederwerfung  des  Aufstands  und  auch  nicht  die
Pazifizierung  unserer  Schutzgebiete.  Es  ist  auch  das  offene  Bekenntnis
erforderlich,  daß  Fehler  in  der  Kolonialverwaltung  begangen  sind.

(Sehr  richtig!  in  der  Mitte.)

Es  ist  der  feste  Wille  erforderlich,  diese  Fehler  nicht  zu  wiederholen
und  augenscheinliche  Mißstände  zu  beseitigen.

Ich  habe  schon  vor  zwei  Jahren  vor  diesem  Hohen  Hause  die
Grundzüge  einer  Reorganisation  entwickelt,  wie  sie  meines  Erachtens
für  unsere  koloniale  Zentral=  und  Lokalverwaltung  notwendig  ist.  Ich
habe  schon  damals  die  Loslösung  der  Kolonialabteilung  vom  Auswärtigen
Amt  und  die  Errichtung  eines  selbständigen  Reichskolonialamts  als
dringend  wünschenswert  bezeichnet.  Zu  meinem  lebhasten  Bedauern  ist
durch  einen  während  meiner  Erkrankung  gefaßten  Beschluß  dieses  Hohen
Hauses  diese  Forderung  in  dritter  Lesung  abgelehnt  worden.  Wie  kam
denn  das,  meine  Herren,  nachdem  dieses  Hohe  Haus  in  zweiter  Lesung
in  Würdigung  der  von  der  Regierung  vorgebrachten  rein  sachlichen
Gründe  sich  mit  stattlicher  Mehrheit  für  ein  Reichskolonialamt  ausgesprochen
  hatte?  Ich  will  auf  diese  Frage  pro  hie  et  nunc  nicht
eingehen,  sondern  nur  feststellen,  daß  die  Verbündeten  Regierungen  die
Schaffung  eines  selbständigen  Reichskolonialamts  nach  wie  vor  für
dringend  wünschenswert  halten  und  überzeugt  sind,  daß  diese  Notwendigkeit
  sich  in  den  letzten  Monaten  noch  mehr  als  früher  herausgestellt
  hat.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Nun  weiß  ich  wohl,  meine  Herren,  daß  solche  koloniale  Organisationsfragen
  und  ihre  richtige  Lösung  nicht  das  einzige  Heilmittel  für