November  1906.  349

führte,  blieben  leider  erfolglos.  Ein  angesehener  hanseatischer  Kaufmann
  ließ  mir  damals  sagen:  „Am  Tage  verdiene  ich  brav  Geld  an
der  Börse,  am  Nachmittag  fahre  ich  mit  zwei  schönen  Füchsen  auf  mein
Landhaus,  und  das  soll  ich  mit  der  Schinderei  und  Aufregung  in  der
Wilhelmstraße  vertauschen?“
(Große  Heiterkeit.)

Acht  Jahre  später,  also  vor  einem  Jahre,  nach  dem  Rücktritt  des  Herrn
Stuebel,  bin  ich  auf  meinen  Gedanken  zurückgekommen.  Damals  habe
ich  den  Direktor  des  Norddeutschen  Lloyd  Herrn  Wiegand  sondiert,
der  sich  aber  nicht  von  dem  gerade  in  einer  wirtschaftlichen  Transformation
befindlichen  Lloyd  trennen  konnte.

Es  freut  mich,  daß  es  mir  endlich  gelungen  ist,  einen  Gedanken
zu  verwirklichen,  den  ich  für  gesund  und  für  lebensfähig  halte.  Dieses
Hohe  Haus  aber  bitte  ich,  dem  neuen  Herrn  in  der  Kolonial—
verwaltung  mit  Vertrauen  entgegenzukommen;  denn  nur  bei
vollem  gegenseitigen  Vertrauen  lassen  sich  die  Aufgaben
lösen,  die  uns  auf  kolonialpolitischem  Gebiet  gestellt  sind.

Diese  Aufgaben  bestehen  nicht  nur  in  der  wirtschaftlichen  Erschließung
der  Kolonien.  Es  gilt  auch  augenscheinliche  Mißstände  in  der  Kolonial-=verwaltung
  zu  beseitigen.  Worin  diese  Mißstände  bestehen,  brauche  ich
nach  den  Ereignissen  dieses  Sommers  nicht  klarzulegen.  Niemand
kann  es  aufrichtiger  bedauern  als  ich,  der  verantwortliche  Leiter  der
Reichsgeschäfte,  daß  einige  der  gegen  die  Kolonialverwaltung  erhobenen
Beschwerden  und  Anklagen  sich  als  begründet  herausgestellt  haben.

(Hörtl  hört!  links.)

Ich  bin  mir  bewußt,  daß  ich  keine  Vertuschungspolitik  getrieben
  habe,  sondern  eingeschritten  bin,  sobald  ein  Verdacht
zu  meiner  Kenntnis  gelangte.  Man  hat  mir  vorgeworfen,  daß
auch  ich  nicht  für  ein  schnelles  Einschreiten  gegen  schuldige  Beamte
gesorgt  hätte.

Man  hat  insbesondere  gesagt,  daß  ein  Subalternbeamter,  Poeplau,
schon  in  den  Jahren  1904  und  1905  Anzeigen  gegen  Beamte  an  mich
erstattet  hätte,  denen  keine  Folge  gegeben  worden  wäre.  Meine  Herren,
der  Beamte  Poeplau  hat  sich  schwerer  Disziplinarvergehungen  schuldig
gemacht.

(Hört!  hörtl  rechts.)
Als  er  unter  grober  Verletzung  seiner  Dienstpflicht  amtliche  Schriftstücke
Dritten  mitteilte,  mußte  die  Untersuchung  gegen  ihn  eröffnet  werden.