Dezeniber  1906.  353

schreiben  oder  lesen,  selbst  im  Grunde  davon  überzeugt  sind,  daß  unser
Beamtenstand  durchaus  intakt  ist.  Ausnahmen  gibt  es  überall;  aber  bei
uns  sind  sie  Gott  sei  Dank  verschwindend.

Meine  Herren,  ich  werde  gegen  jeden  Beamten,  der  sich  eine  Unregelmäßigkeit
  zuschulden  kommen  läßt,  rücksichtslos  einschreiten

(Bravo  rechts);

ich  werde  aber  auch  jedem  Beamten  —  das  erkläre  ich  vor  dem  Lande  —,
der  seine  Schuldigkeit  tut  und  zu  Unrecht  verdächtigt  wird,  meinen  vollen

Schutz  angedeihen  lassen.
(Bravol  rechts.)

Möge  unser  Beamtenstand,  auf  den  das  deutsche  Volk  gewohnt  ist,  stolz
zu  sein,  auf  den  das  deutsche  Volk  nach  wie  vor  mit  Stolz  zu  blicken

ein  gutes  Recht  hat
(Bravol),

möge  er  sich  nicht  entmutigen,  möge  er  sich  nicht  erbittern  lassen  —
denn  hinter  ihm  steht  nicht  nur  die  Regierung,  hinter  ihm  stehen  alle
gerecht  denkenden  Leute,  und  die  haben  in  unserem  Volke  noch  immer
die  Mehrheit  gehabt.
(Bravol)

Sie  aber,  meine  Herren,  bitte  ich,  in  ruhiger,  sachlicher  Arbeit  mit  den
Verbündeten  Regierungen  die  Wege  zu  beraten,  die  zu  dem  uns  gemeinsamen
  Ziele  führen.  Bewilligen  Sie,  was  die  Verbündeten  Regierungen
nach  gewissenhafter  Prüfung  als  notwendig  betrachten  für  die  Wahrung
unseres  Ansehens  und  gegen  die  Wiederkehr  neuer  Aufstände.  Damit
werden  Sie  unseren  Kolonien,  damit  werden  Sie  dem  Vaterlande  den

besten  Dienst  erweisen.
(Lebhaftes  Bravo.)

39.  Des  Reichskanzlers  Eintreten  für  den  Kolonialdirektor.
Sitzung  des  Reichstages  vom  4.  Dezember  1906.1)

Auf  der  Tagesordnung  stand  Fortsetzung  und  Schluß  der  ersten  Beratung
des  ersten  und  zweiten  Nachtrags  zum  Reichshaushaltsetat  für  1906  und  des

1)  Sten.  Ber.  d.  R.-T.,  11.  Leg.-Per.,  II.  Session  1905  1906,  133.  Sitzung.
Penzler,  Fürst  Bülows  Reden  2c.  II.  23