Dezember  1906.  355

die  damit  zusammenhängenden  Fragen,  sofern  der  bedauerliche  Gegensatz
zwischen  der  Verwaltung  und  den  Missionen  in  Togo  und  die  Kon—
sequenzen  dieses  Gegensatzes  hier  zur  Sprache  gebracht  werden  sollten.

Ich  hätte  gewünscht,  meine  Herren,  daß  der  Herr  Abgeordnete
Roeren,  weniger  dem  Beispiel  des  Herrn  Abgeordneten  Bebel  und  mehr
dem  Beispiel  seines  Fraktionskollegen,  des  Herrn  Abgeordneten  Erzberger
  gefolgt  wäre

(Heiterkeit  links),

und  daß  er  hier  nicht  aufs  neue  Fälle  von  Ausschreitungen  zur  Sprache
gebracht  hätte,  deren  Untersuchung  zum  Teil  noch  im  Gange  ist.  Nachdem
  dies  einmal  geschehen  war,  mußte  deutlich  und  vorbehaltlos  klargestellt
  und  über  jeden  Zweifel  erhoben  werden,  daß  die  eingeleitete
Aufklärung  sich  nach  allen  Seiten  zu  erstrecken  hätte,  daß  sie  nicht
Halt  zu  machen  hätte  vor  einzelnen  Abgeordneten,  die  auf
Grund  einseitigen  Materials  in  gutem  Glauben,  aber  zu
eifrig  gegen  verdiente  Beamte  Anschuldigungen  erhoben  und
ungetreue  Beamte  unter  ihren  Schutz  genommen  hatten.  Mit
Recht  hat  der  stellvertretende  Herr  Kolonialdirektor  gestern  gefragt:  Wo
bekommen  wir  Beamte  her  für  unsere  Kolonien,  wenn  in  dieser  Weise
gegen  die  Beamten  vorgegangen  wird?

(Sehr  richtig!  rechts.)

Ich  weiß  wohl,  meine  Herren,  daß  diese  Mißstände  sich  unter  meiner
formellen  Verantwortung  ereignet  haben.  Als  diese  Mißstände  aber  zu
meiner  Kenntnis  gekommen  sind,  habe  ich  in  diesem  Hause  offen  erklärt,
daß  Verfehlungen  und  Mißstände  vorgefallen  wären.  Es  kann  nicht
gegen  mich  der  Vorwurf  erhoben  werden,  daß  ich  nach  Kenntnis  von
diesen  Vorgängen  nicht  sofort  energisch  eingegriffen  hätte.  Deshalb
habe  ich  einen  zweimaligen  Personalwechsel  an  der  Spitze  der  Kolonial-=abteilung
  vorgenommen,  und  jetzt  ist  eine  gründliche  Reorganisation  der
Kolonialverwaltung  im  Gange.

Meine  Herren,  nachdem  nun  gestern  diese  Aussprache  stattgefunden
hat,  richte  ich  nochmals  an  dieses  Hohe  Haus  die  Bitte,  das  mit  gutem
Willen,  mit  Klarheit  und  Festigkeit  begonnene  Werk  der  Reorganisation
unserer  Kolonien  nicht  dadurch  zu  hemmen  und  aufzuhalten,  daß  immer
wieder  alte  und  neue  Fälle  der  Vergangenheit  hier  zur  Sprache  gebracht
werden.  Auf  der  Seite  der  Verbündeten  Regierungen  ist  der  feste  Wille
vorhanden,  die  vorgefallenen  Verfehlungen  unnachsichtlich  zu  ahnden  und
die  vorhandenen  Mißstände  rücksichtslos  zu  beseitigen.  Helfen  Sie  uns

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