372  Anhang.

beiden  ältesten  Söhnen.  Eine  nach  dem  damaligen  Stand  der  Technik
erstklassige  Panzerfregatte  ging  zu  Wasser  und  empfing  aus  dem  Munde
der  Frau  Kronprinzessin  den  Namen  „Preußen“.  Neben  der  Kronprinzessin
  stand,  hochaufgerichtet  im  herbstlichen  Schneegestöber,  der  Sieger
von  Wörth.  Dem  ablaufenden  Schiffe  aber  folgten  die  Blicke  des
jugendlichen  Prinzen,  der  später  als  Kaiser  sich  die  Aufgabe  stellen
sollte,  unter  sorgsamer  Verwertung  der  überkommenen  Grundlagen  die
neue  Flotte  zu  schaffen,  die  das  über  die  Bedeutung  eines  festländischen
Staates  hinauswachsende  Deutsche  Reich  nicht  entbehren  kann.

Die  alte,  nur  noch  als  Hafenschiff  verwendete  „Preußen“  war
wohl  auf  einer  deutschen  Werft,  aber  noch  nach  fremdem  Muster  und
nach  dem  Plan  eines  ausländischen  Schiffsbauers  entstanden.  Hente
liegt  vor  unseren  Angen  fertig  zur  Entlassung  in  sein  Element,  der
Körper  eines  mächtigen  Linienschiffes  von  rein  deutscher  Bauart,  ein
Zeugnis  deutschen  Könnens,  ein  Preis  der  heimischen  Arbeit,  woran
von  den  Ideen  des  leitenden  Ingenieurs  bis  zum  Hammerschlag  des
braven  Werkmannes  viele  fleißige  Köpfe  und  Hände  teil  haben.  Beim
Vergleich  jenes  Stapellaufs  aus  dem  Jahre  1873  mit  unserem  heutigen
Stapellauf  dürfen  wir  ohne  Ruhmredigkeit  sagen:  es  geht  vorwärts  mit
der  deutschen  Flotte,  vorwärts  durch  die  bahnbrechende  Kraft  kaiserlicher
Initiative,  durch  die  bundesfrendige  Mithilfe  der  Landesfürsten,  durch
die  patriotische  und  opferwillige  Haltung  des  Reichstags,  durch  die
Grundstimmung  des  deutschen  Volks,  das  mit  seiner  parlamentarischen
Vertretung,  seinen  Fürsten  und  seinem  Kaiser  sich  über  die  Unmöglichkeit
  klar  ist,  das  nationale  Leben  in  binnenländische  Schranken  zurückzudämmen.
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Es  liegt  in  der  allgemeinen  Entwicklung  unserer  Tage,  auf  den
Gewässern  des  Erdballs  die  Berührungen  zwischen  den  Kriegsschiffen
der  Seefahrt  treibenden  Staaten  zu  vermehren.  Ich  glaube,  das  ist
eine  erfreuliche  Eigentümlichkeit  der  modernen  Zeit  zur  Erziehung  der
Völker,  zum  Vorteil  ihrer  Umgangssitten  und  zur  Stärkung  der  Friedensliebe.
  Wie  die  Diplomatie,  so  besitzt  ja  auch  die  Marine  durchgebildete
internationale  Verkehrsformen.  Auch  sie  ist  ein  völkerverbindendes
Element.  Man  lernt  sich  höher  achten,  wenn  man  auf  See  oder  an
fremden  Gestaden  im  Dienste  der  Zivilisation  und  für  Forderungen
des  Völkerrechts  sich  im  Schmuck  blanker  Wehr  begegnet,  wenn  gleichsam
  bewegliche  Machtinseln  der  Kulturstaaten  auf  freiem  Meer  nebeneinander
  kreisen,  Grüße  austauschen  und  gemeinsame  Aufgaben  erfüllen.
Wie  aber  schon  nach  nüchterner  Rechtsanschauung  die  deutschen  Kriegs-