Anhang.  373

schiffe  schwimmende  Gebietsteile  des  Reiches  sind,  so  gelten  sie  auch
unserem  Herzen  als  ein  Stück  Deutschland.  Und  wie  jeder  vom  Stapel
laufende  Panzer  nach  vollendeter  Ausrüstung  mit  seinen  Offizieren  und
Mannschaften  eine  deutsche  Welt  im  kleinen  ist,  eine  Summe  vieler
Tüchtigkeiten,  so  folgt  ihm  auf  seinen  Fahrten  eine  reiche  Fülle  menschlicher,
  dienstlicher,  staatlicher  Beziehungen:  sorgende  und  hoffende  Liebe
von  Eltern  und  Kindern,  von  Frauen  und  Bräuten,  Wünsche  der  Kameraden,
  Befehle  der  Vorgesetzten,  Berechnungen  der  Politik,  das  Machtgebot
  des  obersten  Kriegsherrn,  die  Ehre  der  Nation.  Deshalb  ist  uns
ein  solches  Schiff  keine  bloße  Nummer,  sondern  von  dem  Augenblick
ab,  wo  es  zu  Wasser  gleitet,  erscheint  es  uns  als  ein  beseeltes  Wesen,
das  sein  Eigenleben  führt.

Fern  im  Osten,  zwischen  Weichsel  und  Memel,  wohnte  ein  heidnischer
  Stamm,  den  die  Tapferkeit  und  die  staatenbildende  Kraft  deutscher
  Ritter  in  mehr  als  halbhundertjährigen  Kämpfen  deutscher  Ordnung
  unterwarf.  Als  an  einem  der  unglücklichsten  Tage  der  deutschen
Geschichte  der  Deutsche  Orden  zusammenbrach,  blieb  ein  kleiner  Teil  erhalten,
  der  sich  auch  in  trüber  Zeit  und  fremder  Abhängigkeit  deutsche
Sprache  und  Sitte  wahrte,  bis  der  Stern  der  Hohenzollern  über  ihm
aufging.  Und  als  die  Hohenzollern  den  Kurhut  mit  der  Königskrone
vertauschten,  erhielt  das  neue  Königreich  den  Namen  des  alten  viel  umstrittenen
  Ordenslandes.  Kaum  ein  anderer  Name  wäre  geeigneter  für
ein  Fahrzeug,  das  gegen  Wind  und  Wellen  kämpfen  soll.  Denn  der
Staat,  der  diesen  Namen  trägt,  von  Anbeginn  an  bedroht,  gefürchtet,
gehaßt,  aber  auch  geliebt  und  hoch  gehalten  von  seinen  Söhnen  mit
Anspannung  aller  Kräfte  wie  wenige,  war  oft  von  Stürmen  umbraust,
hat  aber  mit  Gottes  Hilfe  alle  Stürme  schließlich  immer  siegreich  überstanden.
  Sie  haben  uns  oft  bedränget  von  unserer  Jugend  auf,  aber
sie  haben  uns  nicht  übermocht.  Möge  für  unser  jüngstes  Linienschiff
das  Leben  lang,  glücklich,  ehrenvoll  sein,  würdig  des  stolzen  und  ruhmreichen
  Namens,  den  Euere  Majestät  ihm  jetzt  geben  wollen.

Nach  der  Ansprache  des  Reichskanzlers  sagte  Ihre  Majestät  die
Kaiserin  mit  lauter  Stimme:
„Auf  Befehl  Sr.  Mocjestät  des  Kaisers  und  Königs  taufe  ich  dich:
Preußen-.“